Die tibetische Küche – 108 Köstlichkeiten vom Dach der Welt

Tibetische Küchemit Texten von Alexandra David-Neel
von Brucker, Karin; Sohns, Christian

144 Seiten, 26,80 €

Um es vorweg zu sagen: Das 144 Seiten starke Kochbuch ist weit mehr, als ein profanes Buch über Rezepte.

Es ist ein kleiner, überaus interessanter und lesenswerter Abriss über den Buddhismus, über Kultur, Land, Mensch und Tier, über Essen und Trinken in der gesamten Region auch um Tibet herum, Hintergründe zu einzelnen Gerichten (z.B. dem berühmten Buttertee). Es beleuchtet Traditionen, erklärt z.B. Wissenswertes zu Losar, dem tibetischen Neujahrsfest und hält darüberhinaus bei der Beschreibung der Rezepte Alternativen zu den originalen Zutaten, die hier nicht oder nur schwer zu bekommen sind, bereit.

Alles wird unterlegt mit unaufdringlichen Farbphotos, die Zutaten, Zubereitungsschritte oder Kochgeschirr oder fertig zubereitete Gerichte zeigen.
Aber auch Farbfotos von Menschen oder  Landschaften lockern die übersichtlich gestalteten Seiten auf.

Die Inhaltsangabe wie auch das am Ende des Buches befindliche Rezept­register machen es leicht, sich zurechtzufinden. Es beginnt ab Seite 33 mit Rezepten für Getränke, eingeleitet mit einer kleinen Abhandlung zur tibetischen Teeschale, einem kleinen Lied vom Tee und natürlich der Beschreibung der richtigen Zubereitung von Tee, dem Buttertee, dem indischen Chai, Lassi usw. bis hin zum Chang, dem tibetischen Bier. Tibetische Schriftzeichen wie auch der Begriff des Rezeptes in tibetischer Sprache (darunter in Deutsch) stehen jeweils über dem Rezept, bevor die Art der Zubereitung folgt. Jeweils seitlich in gleicher Höhe steht die Zutatenliste, farblich schön abgesetzt und zur Übersicht beitragend, oftmals mit einem zarten Hintergrunddruck tibetischer Symbole.
Natürlich bietet das Buch eine große Auswahl an der Zubereitung von Momos, den kleinen, variantenreichen Teigpastetchen, die ähnlich wie italienische Ravioli, nach eigenem Gusto und vorhandenen Zutaten und Vorlieben gefüllt und dann über Dampf gegart werden können.

Ein Teil des Buches befasst sich mit der Zubereitung von Fleisch und setzt eine kleine, kulturgeschichtliche Abhandlung zum Thema Buddhismus und Fleischgenuss voran – interessant und erklärend.

Dem Brot und Tsampa – zwei wichtigen Bestandteilen der tibetischen Küche – widmen sich weitere 5 Rezeptseiten, bis sich Saucen und Dips sowie Desserts mit kurzen, präzisen Angaben anschließen.

Eine weitere interessante Einteilung widmet sich schließlich den Grundrezepten, wie Tsampa, Yoghurt, getrockneter oder indischer Käse oder Trockenfleisch. Ein kleiner lesenswerter Abriss schließt den Rezeptteil mit den Kuriositäten der tibetischen Küche ab, bevor sich ein letzter Teil zum Thema „Nahrung im rituellen Kontext“ anschließt. Hier werden z.B. Erklärungen zum Thema Tormas und Hausaltäre gegeben.

Wie gesagt: ein Kochbuch, das sicher auch zum Nachkochen verführt und Lust darauf macht, gesunde Kost und verschiedenste Köstlichkeiten mit Hilfe der übersichtlichen Gestaltung zuzubereiten. Es scheint nicht aufwändig zu sein und hört sich recht unkompliziert an.

Was es aber auch ist, das ist ein kulturgeschichtliches Kleinod, das uns fast wie nebenbei Menschen, Traditionen, Hintergründe vom Dach der Welt auf unterhaltsame und wunderschön gestaltete Art näherbringt. Ein wunderbares Geschenk – für sich selbst oder andere Menschen, die sich gerne mit anderen Kulturen auch auf der Ebene des Genusses beschäftigen.

Das schöne Buch ist natürlich im Mandala Dharma-Shop erhältlich.

Gustel Schreurs