Einführung in die tibetische Schrift und Sprache

 

 Eine Seminarreihe mit
 Claude Jürgens

Es gibt verschiedene Gründe, sich mit den Grundlagen der tibetischen Sprache vertraut zu machen: einige sind von der Ästhetik der Zeichen fasziniert, andere möchten sich die Silben in den Visualisierungen der tibetischen Meditationen besser vorstellen können und noch andere haben das Ziel, tibetische Texte zu verstehen oder mit Tibetern direkt sprechen zu können. Am Anfang steht dabei aber immer, dass man sich mit der Schrift vertraut macht und eine Idee davon bekommt, wie sie ausgesprochen werden sollte.

Die tibetische Schrift

Die heute verwendete tibetische Schrift wurde der Legende nach von dem tibetischen Minister Thönmi Sambotha entwickelt, der im 7. Jahrhundert vom König Songtsen Gampo den entsprechenden Auftrag erhielt. Die neue Schrift sollte als Grundlage für die Übertragung der buddhistischen Texte aus dem Sanskrit dienen. Thönmi Sambotha stützte sich dabei auf die altindischen Schriften Lantsa und Wartu. So wie auch diese Schriften wird das Tibetische von links nach rechts und von oben nach unten geschrieben. Die Ausrichtung der Buchstaben erfolgt an einer oberen Linie, so dass die Buchstaben an dieser Linie "hängen".

Die Grundlage für die tibetische Schrift bilden dreißig Grundbuchstaben, die alle auf ‚a‘ enden: ka, kha, ga, nga usw., wobei der Auslaut ‚a‘ im Tibetischen nicht als Vokal gilt. Diese Grundbuchstaben können miteinander kombiniert und es können ihnen vier Vokale (i, u, e, o) zugeordnet werden. Insgesamt kann eine Silbe aus bis zu sechs Buchstaben plus Vokalzeichen bestehen. Tibetische Worte sind ein-, zwei- oder mehrsilbig.

Die tibetische Aussprache

In Tibet haben sich im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Dialekte entwickelt. Beispielsweise werden nicht mehr unbedingt alle Elemente einer Silbe mitgesprochen. Dennoch wird auch heute noch in einigen tibetischen Landesteilen und in Ladakh eine Aussprache verwendet, die sehr nah an den geschriebenen Worten ist. Teilweise ist es deshalb nicht möglich, dass sich Tibeter aus unterschiedlichen Provinzen verständigen können. Man könnte es damit vergleichen, dass ein Westfale und ein Bayer versuchen würden, sich in ursprünglichem Plattdeutsch und Bayerisch zu unterhalten.

Beim Studium der tibetischen Sprache beginnt man üblicherweise mit dem "Standardtibetisch", dem in Zentraltibet gesprochenen Dialekt. Uns Deutschen bereitet es meist Schwierigkeiten, dass beim Sprechen auch Tonhöhe und Aspiration (Behauchung des Tons) darüber mitentscheiden, um welchen Buchstaben es sich handelt.

Seminare zum Erlernen der Schrift und Aussprache

Die Schrift selbst ist nicht allzu schwierig zu erlernen. Die Grundbuchstaben kann man in einem Tagesseminar kennenlernen. Wenn man sie eine Woche lang geübt hat, sind sie einem so vertraut, dass man gute Voraussetzungen hat, um den Aufbau der Silben zu erlernen. Ein Wochenende reicht aus, um den grundlegenden Aufbau zu vermitteln. Man muss im Anschluss sicherlich etwas üben, bis einem die Kombinationsmöglichkeiten und die entsprechende Aussprache vertraut sind. Das Studieren von Grammatik und Vokabeln benötigt zwar einen längeren Zeitraum und eine intensive Beschäftigung mit der Materie, jedoch kann man auch zu Anfang schon gemeinsam z.B. die Worte in Gebeten oder Praxistexten unter Zuhilfenahme von Wörterbüchern übersetzen und erhält so Anhaltspunkte für die Bedeutung des Gesprochenen beim Rezitieren.

Im Veranstaltungsteil dieses Rundbriefes befinden sich nähere Informationen zu den beiden Tagesseminaren und dem Wochenendseminar, mit denen man grundlegende Kenntnisse zur tibetischen Schrift und Sprache erlernen kann. (siehe hier)

Sa. 14.05. von 10-16 Uhr
Einführung und Kennenlernen des Alphabets

Sa. 21.05. & So. 22.05. jeweils von 10-16 Uhr
Aufbau und Aussprache von Silben und Wörtern

So. 19.06. von 10-16 Uhr
Kleine Lese- und Übersetzungsübungen

 

     

     
      Taschi Deleg 

 

 

Aus Rundbrief 2/2011