Mal kurz ins Retreat

Buddha Amitayus Retreat mit Drubpön Kunsang

Wahrscheinlich geht es einigen Buddhistinnen und Buddhisten ähnlich. Nach einiger Zeit oder einigen Jahren der Praxis wird das Bedürfnis geweckt, einmal die Zeit zu haben, sich neben seinem oder ihrem Alltag mal intensiver mit der Praxis auseinanderzusetzen. Klar, es kommt nicht auf die Zahlen an, es kommt nicht darauf an, wie viele Mantras man in der Woche oder im Monat schafft, sondern auf die Motivation und die Hingabe, aber mal ehrlich, ein bisschen mehr dürften es manchmal schon sein. Man wünscht sich dann, nicht immer „mal eben“ zu praktizieren – schnell vor oder nach der Arbeit, wenn die Kinder gerade in der Schule sind oder nur wenn ein Termin kurzfristig abgesagt wird. Natürlich freut man sich auch über die kleinen Momente, über diese Inseln im Alltag. Jedoch ungeachtet des schönen Meditationsplatzes, den man sich vielleicht in einer stillen Ecke des Hauses oder seiner Wohnung einrichten konnte und ungeachtet der Zeit, die man täglich versucht für die eigene Praxis abzuzwacken, ist man doch nicht immer lang allein und die intensive Praxis bleibt im Alltag so manches Mal auf der Strecke.

Wie gut wäre es da, einmal dem Alltag entfliehen zu können und gemeinsam mit anderen ganz in die Praxis eintauchen zu können?! Ein Retreat muss her! Doch direkt drei Jahre, in Indien? Das ist sicherlich vielen Praktizierenden nur bedingt möglich. Wie schön ist es da, dass wir im Aachener Zentrum mehrmals im Jahr die Gelegenheit erhalten, in ein kleines Retreat zu gehen – für drei Tage, vier oder fünf – und das zu immer wechselnden Themen, so dass auch für jeden was dabei ist.

Ab dem 23. März ist es auch wieder soweit: Wir bekommen die Gelegenheit in ein Retreat zu gehen, das mit der Buddha Amitayus Praxis (tib. Tsepame), die zum Wiederherstellen und Erhalten der Lebensenergie dient, nicht nur für die diesjährigen Ngöndro-Einsteiger passend ist. Als Vorbereitung hält Lama Kunsang am Freitagabend einem Vortrag zur Verbindung zwischen Körper und Geist und gibt am Samstag eine Einweihung und Unterweisungen zur Meditation von Buddha Amitayus. Das Retreat beginnt am Samstagabend mit der ersten gemeinsamen Sitzung und setzt sich in den darauffolgenden Tagen fort. Am Mittwochmorgen findet die abschließende Meditation mit der Darbringung von Gaben (skr. Ganapuja, tib. Tsog) statt.

Natürlich ist es das Beste, wenn man das ganze Programm von Freitag bis Mittwoch mitmachen kann, denn man braucht schon ein bisschen, um ruhiger zu werden und sich wirklich auf die Praxis einzulassen. Mein Glückwunsch an alle, die das machen können! Aber auch wenn es nicht klappt, jede Sitzung mitzumachen, so sollte man doch versuchen, so viel mitzunehmen wie es geht und von der Retreat-Atmosphäre zu profitieren. Es ist schon etwas Besonderes mit einem Retreat-Meister zusammen zu meditieren.

Auch wenn wir die Praxis für unsere Lebensenergie ausführen, sollte unsere Motivation natürlich viel umfassender sein und wenn möglich alle Wesen einschließen. Mit mehr Power können wir auch mehr für Anderen tun. Und wie es bei tibetischen Meditationen so ist, übt man viele verschiedene gute Eigenschaften gleichzeitig und sammelt dabei Verdienst und Weisheit an. Was will man mehr!

Vanessa Ketterer