Mandala-Aufstellungen

Aufstellungen als Hilfestellung im buddhistischen Alltag

Aufstellungen gibt es seit den 70er Jahren in einer erstaunlichen Vielzahl von Varianten: allen gemeinsam ist der Ansatz, durch individuelle Positionierung in einem realen oder gedachten Raum und den damit verbundenen konkreten Erfahrungen Lösungswege für persönliche oder abstrakte Fragestellungen aufzuzeigen.

Die Methode der Visualisierung in der spirituellen Praxis mit einer oft sehr genauen Ortsangabe – insbesondere die von Mandalas – weist erstaunliche Parallelen zu solchen aktuellen Ansätzen in der Therapie auf.

Neu ist der Ansatz, dass die buddhistischen Visualisierungsmodelle mit der Methode der Mandala-Aufstellungen im Raum stellvertretend Gestalt annehmen können. Dabei können innere (persönliche) Beziehungskonstellationen betrachtet und gelöst werden. Man arbeitet unmittelbar mit individuellen Konzepten und Energien, die Wahrnehmung und Intuition wird verfeinert, der Zugang zu spirituellen Kraft-Quellen kann erfahren werden und es können neue Entwicklungsschritte auf dem Weg zu sich selbst gefunden werden.

Systemische Aufstellungen

Systemische Aufstellungen sprechen ausgesprochen wirkungsvoll die körperlichen und emotionalen Seiten eingebrachter Anliegen an und ermöglichen eine sehr direkte Wahrnehmung, Kommunikation und Anregung von Beziehungskonstellationen. Durch eine Aufstellung wird durch die unterschiedlichen Perspektiven (Innensicht derjenigen, die aufgestellt werden, und Außenperspektive der Beobachter) ein komplexes Beziehungsbild sichtbar, das eine äußerst wirksame und effiziente Arbeit an der Lösung eines Anliegens erlaubt.

Den meisten sind aus dem Feld der Aufstellungen die Familienaufstellungen ein Begriff. Die dort teilweise verwendeten hierarchisierenden Ansätze finden in der systemischen Aufstellung keine Anwendung, da diese auf gegenseitigem Miteinander und gemeinsames Erleben fußt.

Zu den Grundlagen nimmt der wohl prominenteste Vertreter der systemischen Aufstellung und Leiter des staatlich anerkannten SyST-Institues Prof. Matthias Varga von Kibéd in einem Vortrag aus dem Jahr 2003 Stellung (Auszug):

Strukturaufstellungen

1. sind ein systemisch-konstruktivistisches Verfahren. Die Ergebnisse der Arbeit entstehen in Kooperation mit den KlientInnen, die an jeder Stelle des Prozesses die Möglichkeit haben, eigene Deutungen, Alternativen, Ideen, Umformulierungen und Fragen einzubringen. Es geht bei Strukturaufstellungen um die Vermehrung von Handlungsoptionen und nicht um die Entdeckung DER richtigen Deutung.

2. sind unterschiedsbasiert und betonen den möglichst weitgehenden Verzicht auf Deutungen von Seiten der LeiterInnen (die als Gastgeberinnen gesehen werden), unter anderem durch Betonung von Fragen nach Unterschieden im Körperempfinden und der Wahrnehmung, vorsichtiger Einbeziehung von Emotionen und unter sanfter Vernachlässigung von Bildern und Meinungen.

3. betonen das Anliegen der KlientInnen als absolut zentral für den Aufstellungsprozess und legen größten Wert auf eine klare Kontraktarbeit, die auch während des Aufstellungsprozesses gegebenenfalls überprüft werden kann. Strukturaufstellungen verwenden keine generelle "systemische Diagnostik".

4. erlauben verdeckte Arbeit, d.h. ein Anliegen muss nicht benannt werden, während klassische Familien- oder Organisationsaufstellungen im allgemeinen nur mit explizit deklarierten Teilen arbeiten.

Entwicklung der Mandala-Aufstellungen

Eine Verbindung zwischen buddhistischen Modellen und Methoden der modernen westlichen Therapie und Wissenschaft scheint äußerst früchtebringend und wird ja auch von S.H. Dalai Lama vorangebracht. Es forschen viele Menschen an dem Thema und es ist offensichtlich, dass der buddhistische Ansatz das Leben deutlich verbessern und klären kann, während westliche Therapie-Ans ätze oft rein problemorientiert sind.

Seit einem anregenden ersten Gespräch in der Sonne Pirans (Slowenien) im Frühjahr 2003 untersuchen Anne Katrin Voss, Aachen und Dr. Holm von Egidy, Berlin gemeinsam die direkte Verbindung zwischen spirituellen Modellen (vor allem im buddhistischen und Advaita-vedantischen Kontext) und den systemischen Strukturaufstellungen. Anfang November 2007 wird im Kamalashila Institut für buddhistische Studien in Langenfeld ein Wochenende zu diesem Ansatz gemeinsam mit den dort lebenden Lamas stattfinden.

In einem Tages-Workshop werden die Acht Wahrnehmungsstufen und das energetische Feld der fünf Dhyani-Buddhas betrachtet. Die TeilnehmerInnen haben die Möglichkeit, sich in Bezugsfelder zu begeben, die den Raum für eigene Erfahrungen öffnen.

In den Mandala-Aufstellungen (fünf Dhyani-Buddhas) werden innere Bilder von Energiequellen und inneren Weisheiten, welche jeder/jedem von uns zur Verfügung stehen, verbildlicht. Da diese teilweise nicht direkt zugänglich sind, können deren Verdeckungen gelöst werden und diese erneut zugänglich gemacht werden. Das Mandala der fünf Dhyani-Buddhas ist ein intensives Energiefeld und dessen Kraft eine Unterstützung zur Umwandlung der acht weltlichen Dharmas.

Die Wahrnehmungsaufstellungen sind forschende Aufstellungen. Sie erlauben Blicke auf die unterschiedlichen Stufen unserer Wahrnehmung, speziell die wertenden Anteile. Diese Anteile beeinflussen maßgeblich unser Weltbild und unsere Wahrnehmung von Geschehnissen. Das Erkennen der Macht dieser wertenden Instanz kann in einem weiteren Schritt Befreiung davon unterstützen.

Zusammengestellt von Anne-Katrin Voss

Aus Rundbrief 3/2007