Meditation und Einsicht

Mit dem Auge der Weisheit die Unwissenheit beseitigen

PrajnaparamitaDer Buddhismus ist reich an Lehren und Methoden, die bis heute überliefert wurden und von vielen Menschen angewendet werden. Es gibt zahlreiche Texte und Kommentare aus Sutras und Tantras, in denen die verschiedenen Lehrmeinungen und Formen buddhistischer Meditationen erklärt werden. Diese wurden in den verschiedenen buddhistischen Traditionen weiter entwickelt und sind mehr und mehr auch in unserer Sprache zugänglich. Sie bilden die Grundlage und den Hintergrund für die verschiedenen Methoden der Praxis und tragen zu einem tieferen Verständnis der Übungen bei.

Durch ein Studium der Lehren können wir verschiedene Sichtweisen kennenlernen und uns von falschen Vorstellungen befreien. Indem die äußeren und inneren Phänomene untersucht werden, können daraus Schlüsse für die geistige Entwicklung gezogen werden. So wird sich das Auge der Weisheit öffnen und durch unsere Einsicht (skr. Prajna)[1] und Erkenntnis (skr. Jnana)[2] können wir das Dunkel der Unwissenheit beseitigen und das Licht des Dharma scheinen lassen. Prajnaparamita symbolisiert die Vollkommenheit der Weisheit (siehe Abbildung).

Die Rede an die Kālāmer[3]

In diesem Sutra wird erklärt, dass es wichtig ist, die Lehren selbst zu prüfen, um zu einer festen Überzeugung zu kommen. Der Buddha wird gefragt, welche der vielen Lehren, die von verschiedenen Lehrern verkündet wurden, richtig sind. Er bestätigt ihre Zweifel und erklärt daraufhin, dass man die Dinge selbst untersuchen soll, um zu erkennen, was richtig oder falsch ist: »…. Geht, Kālāmer, nicht nach Hörensagen, nicht nach Überlieferungen, nicht nach Tagesmeinungen, nicht nach der Autorität heiliger Schriften, nicht nach bloßen Vernunftgründen und logischen Schlüssen, nicht nach erdachten Theorien und bevorzugten Meinungen, nicht nach dem Eindruck persönlicher Vorzüge, nicht nach der Autorität eines Meisters!

Wenn ihr aber, Kālāmer, selber erkennt: ‚Diese Dinge sind unheilsam, sind verwerflich, werden von Verständigen getadelt, und, wenn ausgeführt und unternommen, führen sie zu Unheil und Leiden‘, dann o Kālāmer, möget ihr sie aufgeben.«

Dann werden zahlreiche Beispiele für unheilsame Handlungen aufgeführt, indem der Buddha den Zuhörern Fragen stellt, sodass sie die Zusammenhänge nachvollziehen können. Entsprechend werden heilsame Handlungen sowie Handlungen, die zu Segen und Wohl führen, aufgeführt. Zu diesen wird dann erklärt, dass man sie sich aneignen soll, wenn man ihren Nutzen erkannt hat. Schließlich sind alle erfreut und nehmen Zuflucht: »Vortrefflich! Gleichwie man […] in die Finsternis ein Licht bringt, damit, wer Augen hat, die Gegenstände sehen kann, ebenso hat der Erhabene auf mancherlei Weise die Lehre aufgezeigt.«

Indem wir die Aussagen und Lehren prüfen und nachvollziehen, können wir eigene Erkenntnisse erlangen, unsere Zweifel überwinden und unser Vertrauen in die Lehren und Methoden des Buddhismus vertiefen.

Seminarhinweis

Je mehr wir erkennen, welche Aspekte der Lehre in Verbindung mit unserer Praxis stehen, umso klarer können wir auch unsere geistige Entwicklung ausrichten, ohne auf Irrwegen zu verweilen. Durch entsprechende Studien erhalten wir Anregungen, die unsere Praxis bereichern und uns helfen, auch tiefgründige Methoden zu verstehen.

Einige Praktizierende möchten sich intensiver mit den Lehren und der Philosophie des Buddhismus befassen. Da sie zum Teil noch mit dem Praxis- und Studienprogramm von Lama Kunsang befasst sind oder die besonderen vorbereitenden Übungen (tib. Ngöndro) kennenlernen bzw. ausführen möchten, stellen wir zunächst in kurzen Seminaren einige Themen vor, um uns mit den Inhalten buddhistischer Studien vertraut machen. Dabei lernen wir verschiedene Aspekte kennen und stellen Verbindungen zwischen Inhalten der Lehre und Methoden der Praxis her. (siehe „Buddhistische Lehrmeinungen und Praxismethoden – Einführung“) In weiterführenden Studien können wir unsere Kenntnisse vertiefen und uns vielen interessanten Themen widmen.

Zusammenstellung von Tändsin T. Karuna

[1] Einsicht (skr. Prajna, tib. Sherab): unterscheidende Weisheit (Gewahrsein)
[2] Erkenntnis (skr. Jnana, tib. Yeshe): ursprüngliche, allumfassende Weisheit
[3] Palikanon, Anguttara Nikaya, 7. Kapitel: mahā-vagga, A.III. 66