Rückblick auf das zweijährige Studien- und Meditationsprogramm

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Lama Kunsang Rinpoche

Die 21 Kapitel des Werkes „Der kostbare Schmuck der Befreiung“ von Gampopa sind nun besprochen. Zuvor hat Lama Kunsang aber eine ganze Menge von Wissenswertem zu den verschiedenen tibetischen Übertragungslinien und insbesondere der Kagyü-Linie erklärt, um ein Gefühl davon zu vermitteln, welche Kraft und welcher Segen damit verbunden ist.

Zahlreiche Geschichten und Beispiele haben die Unterweisungen begleitet und für ein besseres Verständnis oder auch mal für Heiterkeit gesorgt. So konnte sich mit der Zeit eine lebendige und umfassendere Verbindung mit den Lehren des Buddha in der strukturierten Zusammenstellung von Gampopa entwickeln. Dafür gilt Lama Kunsang großer Dank.

Auch wenn der Fokus auf dem Studieren des Textes lag, so haben wir auch einige grundlegende Meditation erlernt und zusammen durchgeführt, sowie Gebete und Mantras rezitiert. Nicht zuletzt die Ermutigung, sich hinzusetzen und ein bestimmtes Thema zu durchdenken, um zu einer eigenen Überzeugung zu kommen, sollten wir uns zu Herzen nehmen.

Durch das fleißige Abschreiben durch einige TeilnehmerInnen liegen mittlerweile fast alle Unterweisungen in übersichtlicher Form schriftlich vor, so dass man sie immer mal wieder nachlesen und studieren kann. Die Möglichkeit einer Überprüfung des eigenen Kenntnisstandes soll beim kommenden Besuch von Lama Kunsang durch schriftliche Fragen angeboten werden.

Nach dem Studium ist es gut, das Gelernte auch in einer Praxis anzuwenden. So freuen wir uns, dass drei Personen in die Praxis der vorbereitenden Übungen (tib. Ngöndro) neu eingestiegen sind.

Christian

 

Die Rückmeldungen einiger TeilnehmerInnen

In jeder Hinsicht ein großartiger Kurs! Für mich ist die Kombination von Studium und Meditation sehr hilfreich.

Marinus

 

Ich fand es insgesamt bereichernd und interessant. Besonders Christians zurückhaltende und einfühlsame Übersetzung und Erklärung trug dazu bei. Falls ich nicht so viel gelernt habe, liegt es also an mir, denn ich hätte mehr wiederholen können und konnte nicht alle Sitzungen mitmachen. Alles in allem hat man einen guten Überblick bekommen und mehr hatte ich auch nicht erwartet!

Helga

 

Ich freue mich, dass ich das Grundlagenwerk von Gampopa mit der Unterstützung von Lama Kunsang und Christian intensiver kennenlernen konnte. Die Belehrungen von Lama Kunsang waren sehr hilfreich, für mich könnten sie noch länger und häufiger stattfinden. Allerdings eröffnen sich durch das Studium immer neue Felder und ich kann mit Hilfe von Christian dann schauen, welche Belehrungen, die angeboten werden, dann für mich in Frage kommen. Auf jeden Fall ist das Studium des Buches für mich eine Kostbarkeit, denn es enthält im Grunde alles, was ich grundlegend wissen sollte! Und das muss ich erstmal studieren, darüber nachdenken und behalten – und in meinen Alltag integrieren. Die Meditationen, die wir kennengelernt und gemeinsam geübt haben, finde ich wunderbar und hilfreich. Ich bin sehr froh um die gleichbleibende Sangha-Gruppe, mit der ich mich recht verbunden fühle und die mit viel Humor und ernstem Interesse eine schöne Atmosphäre gezaubert hat.

Die Abwechslung von Belehrungen durch Lama Kunsang mit den Wiederholungen und Vertiefungen mit Christian hat mir gut gefallen.

Von Herzen vielen Dank und Tashi Delek

Carina

 

Segen der Ganztextlektüre

Begleitet von jemandem, der sich auskennt, über zwei Jahre hin einen ganzen Text zu studieren, ist eine seltene Sache. In einer Zeit, in der wir vieles, allzu vieles nur auszugs-, häppchen- oder kapitelweise lesen, geradezu ein Geschenk. Der ‚Ganztext‘, den ich in einer überschaubaren Gruppe von Teilnehmern und begleitet von Lama Kunsang (und Christian Licht nicht zu vergessen!) gelesen habe, war ein buddhistischer Klassiker: „Der kostbare Schmuck der Befreiung“ von Gampopa, ein Buch, das in komprimierter Form Grundlagen und Grundzüge des buddhistischen Pfades und der Meditation behandelt.

Hören, Durchdenken, Meditieren ist die Schrittfolge, wenn es darum geht, sich die buddhistische Lehre und Sicht (oder – wie bei mir eher der Fall – ein kleines Stück davon) anzueignen. Beim längeren und wiederholten Hören bzw. Lesen (Ganztextlektüre!) wird einem deutlicher, wie die einzelnen Begriffe, Themen, Lehrstücke miteinander verknüpft sind, aufeinander aufbauen. Meditation über Vergänglichkeit und Leiden nicht ohne Buddha-Natur und Meditieren nicht ohne jemanden, der es selbst auf richtige Weise gelernt hat usw. usw.. Die vielen Details des Buches, ohne die es nicht geht und ohne die die notwendigen Unterscheidungen nicht vermittelt werden könnten, sind auch eine Herausforderung fürs Gedächtnis. Manchmal habe ich mir ein besseres gewünscht.

Wenn nun nach zwei Jahren das ‚SMP-Gampopa‘ vorerst abgeschlossen ist, so bleiben – kann es anders sein? – viele Fragen offen. Wie fügen sich manche Lehrstücke dieses etwa neunhundert Jahre alten Textes in die ganz andere geistige Situation unserer Zeit? Tibet im 12. Jahrhundert – Europa im 21. Jahrhundert! Ist zum Beispiel das Konzept von Samsara und der schier unüberschaubaren wiedergeburtlichen Wanderschaften der Individuen durch die sechs Bereiche (das „Rad des Lebens“ hängt im Eingangsbereich vieler Klöster) ein großes mythologisches Bild des Zusammenhanges des Lebens? … oder will es als Tatsachenwahrheit aufgefasst werden … oder soll es hauptsächlich zu ethischem Verhalten bewegen? … oder noch anders? Solche Fragen verlassen den historischen Text und fragen nach seiner Stellung in und Spannung zu unserer Epoche … Vom Hören zum Durchdenken zum Meditieren und wieder zurück. Herzlichen Dank an Lama Kunsang, Christian und Gampopa … oder umgekehrt.

Rolf