Das sieben Punkte Mahayana-Geistestraining

 2,00 inkl. MwSt.

Unterweisungen zum Lojong

von Khenpo Sherab Öser
Drikung Kagyü Verlag (DKV)
2. Auflage 2017
139 Seiten, 14,8 x 21 cm
Softcover, Klebebindung

 

DANA-Exemplar

Dieses Buch ist nicht für den Verkauf bestimmt!

Es fällt nur eine Schutzgebühr von  2 € an. Der Versand innerhalb Deutschlands ist kostenfrei.

Wir freuen uns jedoch über eine Spende. Jede Spende trägt dazu bei, dass weitere Buch-Projekte realisiert werden können.

Die Kontoverbindung finden Sie im Impressum des Buches oder hier.

Artikelnummer: 500-016 Kategorien: ,

Beschreibung

‚Das sieben Punkte Mahayana-Geistestraining‘  wurde entwickelt, um das Herz des Dharma, den Erleuchtungsgeist (skr. Bodhicitta) zum Nutzen aller Wesen hervorzubringen. Es ist im tibetischen Buddhismus als Lojong bekannt und gibt Anweisungen zur Schulung des Geistes. Ein Punkt beinhaltet auch die als Tonglen bekannte Praxis des Gebens und Nehmens.

Das Geistestraining bezieht sich auf einen Text, der im 11. Jahrhundert nach Tibet gelangte. Die zahlreichen Instruktionen, die Atisha, ein großer indischer Meister, nach Tibet brachte, wurden von seinen Schülern in diesem besonderen Text in sieben Punkten zu­sammengefasst. Zunächst wurden Atishas Unterweisungen geheim gehalten und nur an die nächsten Schüler weitergegeben, die über erprobte Fähigkeiten und ernsthafte Praxiserfahrungen verfügten. Durch Chekawa Yeshe Dorje (1102-1176), für den diese Praxis von besonderer Bedeutung war, fanden sie jedoch eine größere Verbreitung. Schließlich wurden die Lehren über viele Jahrhunderte zur Geistesschulung in allen wichtigen Traditionslinien des tibetischen Buddhismus gelehrt und bis heute praktiziert.

Khenpo Sherab Öser wurde 1964 in der Nähe des Klosters Drong Ngur in Rusar (an der Grenze von Zentral- und Osttibet) geboren. Die Gelübde der vollen Mönchs ordination nahm er 1987 bei dem großen Meister Drubwang Pachung Rinpoche. Im Jahr 1992 kam er nach Nordindien und studierte im Kloster Jangchub Ling die buddhistischen Hauptschriften. In Ka-Nying Shedrub Ling (in Boudhanath, Nepal), wo er als Lehrer am Rangjung Yeshe Cheto, einem College für Ausländer, tätig war, erhielt er später den Titel Acharya.

 

Inhaltsverzeichnis

 

Einführung

Der Grundtext von Geshe Chekawa Yeshe Dorje

Einleitung
Motivation
Hintergrund und Grundlagen des Geistestrainings

Unterweisungen zu den einzelnen Punkten des Geistestrainings
I.      Die Darstellung der Basis: die Vorbereitungen
II.    Die Darstellung des zweifachen Bodhicitta: die Hauptübung
– Die Schulung in absolutem Bodhicitta
– Die Schulung in relativem Bodhicitta
III.  Die Umwandlung widriger Umstände in den Pfad des Erwachens
IV.  Die Darstellung der Anwendung während des ganzen Lebens in der Zusammenfassung
V.    Die Darstellung der Beurteilung für die Schulung des Geistes
VI.  Die Darstellung der Verpflichtungen des Geistestrainings
VII.      Die Darstellung der Anweisungen zum Geistestraining

Anhang
Fragen und Antworten

Bücherhinweise

Leseprobe

Übe dich abwechselnd in beiden – Geben und Nehmen.
Nun geht es um die Übung von ‚Geben und Nehmen‘. Was ist es, das wir geben, und was ist es, das wir nehmen müssen?

Es gibt drei Dinge, die wir geben: unseren Körper, unseren Besitz und die Wurzel von allem Heilsamen. Diese drei werden als ‚die Basis für das Greifen nach einem Selbst‘ bezeichnet. Zunächst identifizieren wir uns mit unserem Körper als ‚Ich‘ und dann nehmen wir für das Wohl dieses Körpers alle möglichen Schwie­rigkeiten auf uns und unternehmen viele Anstrengungen für die­sen Körper.

Die zweite Basis für das Greifen nach einem Selbst ist unser Be­sitz. Nachdem wir uns mit diesem Körper als ‚Ich‘ identifiziert haben, folgt, dass wir alles, was zu diesem ‚Ich‘ gehört, als ‚mein‘ bezeichnen. Mein Essen und Trinken, meine Kleidung, mein Haus, mein Schmuck usw. – dies alles betrachten wir als unseren Besitz. Unser Körper und alle Besitztümer sind mit diesem Leben verbunden.

Der dritte Aspekt, die Wurzel des Heilsamen, ist das, was auch in zukünftigen Leben Glück bewirkt. Wir unternehmen vielfältige Anstrengungen, um ein möglichst großes heilsames Potenzial oder Verdienst anzusammeln und so wird auch dieses Heilsame zu einer Basis für das Greifen nach einem Selbst.

Diese drei – unser Körper, Besitz und die Wurzel des Heilsamen – sind für uns sehr wichtig und kostbar. Von den ersten beiden erwarten wir einen Nutzen in diesem Leben und von unserem angesammelten heilsamen Potenzial erwarten wir Glück in zu­künftigen Leben.

Es sind diese drei Aspekte des Greifens nach einem Selbst, die wir in der Übung von ‚Geben und Nehmen‘ geben müssen.

Nun zu dem, was wir nehmen. Wir können diese Übung von ‚Geben und Nehmen‘ wie eine Geschäftshandlung betrachten. Wir bezahlen mit unserem Körper, Besitz und unserem Verdienst und bekommen dafür etwas zurück. Was wir in der Praxis von ‚Geben und Nehmen‘ erhalten, ist das Leid aller fühlenden We­sen, die unsere Eltern gewesen sind. Wir nehmen das Resultat, alles Leid der Wesen und ebenso die Ursache dieser Leiden, die störenden Emotionen – Anhaftung und Begierde, Ärger und Hass, Eifersucht, Stolz, Unwissenheit usw. – sowie alle Krankheit und alle Schmerzen. Wir nehmen alle negativen Ursachen und Wirkungen der fühlenden Wesen in den drei Bereichen auf uns. Außerdem nehmen wir alles negative Karma, das die Wesen durch die zehn unheilsamen Handlungen, die fünf schwerwie­genden Handlungen mit unmittelbarer Vergeltung usw. ange­sammelt haben. In der gleichen Weise nehmen wir alle gebroche­nen oder beschädigten Gelübde und tantrischen Verpflichtungen (skr. Samaya), alles Karma, das zu Leiden führt, auf uns.

In dieser Weise praktizieren wir ‚Geben und Nehmen‘.

Nachdem wir wissen, was wir geben und nehmen, geht es nun um die Frage, wie wir dieses üben. Hierzu heißt es:

Verbinde beide mit dem Atem.
In Bezug auf das Geben bedeutet dies die Vorstellung, dass wir unseren Körper, all unseren Besitz und unseren Verdienst mit dem Ausatmen in der Form von weißem Licht, wie die Strahlen der Sonne oder des Mondes, aussenden. Wir visualisieren, dass wir unseren Körper, Besitztümer und alles heilsame Potenzial als weißes Licht gemeinsam mit dem Atem zu allen Wesen in den drei Bereichen senden. Wenn diese Lichtstrahlen die Wesen be­rühren, denken wir: „Mögen alle fühlenden Wesen Glück erfah­ren und frei sein von Leid.“ So zerstören wir das Leid aller Wesen und führen sie zur vollkommenen Buddhaschaft. Wir sollten uns dann daran erfreuen, dass wir dazu fähig waren.

Wenn wir dann erneut einatmen, verbinden wir alles Leiden, alle störenden Emotionen, alle Krankheit, alle widrigen Umstände und Hindernisse aller Wesen mit dem Atem und atmen all dies in der Form von schwarzem Rauch ein. Wir können uns das Leid­volle, Negative auch in der Form eines Skorpions oder in einer anderen grauenhaften Erscheinung vorstellen. Wir nehmen dieses mit dem Atem durch unsere Nase auf, es steigt in uns nach unten und berührt unser Herz. Wenn wir so meditieren, entsteht in uns eine unerträgliche Empfindung. Dies ist der Moment, in dem diese Praxis tatsächlich zu einem Gegenmittel gegen das Greifen nach einem Selbst wird.

Hier kommen wir zu einer Kernanweisung für die Praxis von ‚Geben und Nehmen‘, das ‚Austauschen von sich selbst mit ande­ren‘. Diese bezieht sich auf die Frage, ob wir bei der Übung von ‚Geben und Nehmen‘ von der Existenz eines Selbst ausgehen oder davon, dass dieses Selbst nicht existiert. Hierzu heißt es, dass es besser ist, davon auszugehen, dass ein Selbst existiert, wenn wir ‚Geben und Nehmen‘ praktizieren. Der Meister Atisha verdeutlichte dies an dem Beispiel einer Pflanze. Wenn wir den Samen in völlig sterilen, sauberen Boden legen, wird die Pflanze nur schwerlich gedeihen. Wenn man jedoch Dünger hinzufügt, fördert dies ein gutes Wachstum. Dieses Beispiel soll verdeut­lichen, dass es besser ist, die Praxis von ‚Geben und Nehmen‘ mit der Vorstellung eines existierenden Selbst zu üben. Wenn wir ohne die Annahme eines Selbst praktizieren, wird dies sehr viel schwieriger sein.

Wie führen wir die Praxis, verbunden mit der Annahme, dass ein Selbst existiert, aus? Wir stellen uns vor, dass sich dieses ‚Ich‘ in der Form einer soliden Masse in unserem Herzzentrum befindet. Dieses ‚Ich‘ oder ‚Selbst‘ ist real, materiell wie ein solider Ball oder ein Stein in unserem Herzen. Wenn wir dann alles Leiden, alle Hindernisse usw., verbunden mit dem Einatmen, in uns auf­nehmen, gehen diese direkt in unser Herzzentrum zu diesem Ball oder Stein, der die Basis für unser Greifen nach einem Selbst dar­stellt. All dieses schreckliche Leiden attackiert den Ball in unse­rem Herzen, sodass dieser immer kleiner und kleiner wird.

Was hier also geschieht, ist, dass unser Greifen und Festhalten an einem Selbst immer weiter schrumpft. Manchmal sorgen wir uns vielleicht darüber, was geschieht, wenn alles Leiden aller fühlen­den Wesen der sechs Bereiche zu uns kommt. Wir fragen uns, ob wir diese Aufgabe tatsächlich bewältigen können. Was tatsächlich geschieht, wenn wir alles Leiden annehmen, ist, dass dies unser Festhalten an einem ‚Ich‘ zerstört. Dieses ‚Ich‘ wird kleiner und kleiner, sodass sich schließlich die Frage stellt, wer Leid erfährt, wenn es kein ‚Ich‘ mehr gibt. Daher werden wir durch diese Übung kein zusätzliches Leid erfahren, denn unser ‚Ich‘ oder Selbst wird dadurch zerstört. Wenn es das ‚Ich‘, an dem wir fest­halten könnten, nicht mehr gibt, ist da auch Niemand mehr, der leidet. Wenn also alles Leid der Wesen unser Herz berührt, müs­sen wir uns nicht sorgen, dass wir dadurch mehr Leiden erfahren.

In der Anweisung zur Praxis heißt es, dass beide – Geben und Nehmen – mit dem Atem verbunden werden. Ausatmend geben wir unseren Körper, Besitz und alle Tugenden und senden diese zu allen fühlenden Wesen in den sechs Bereichen, befreien sie so von allen Leiden, sodass sie die vollkommene Buddhaschaft er­langen, und erfreuen uns schließlich daran. Diese Visualisierung benötigt eine gewisse Zeit, wofür wir normalerweise mehrere Atemzüge benötigen.

Wenn wir über diesen Teil der Übung in allen Details meditiert haben, ändern wir mit dem nächsten Einatmen die Visualisierung und nehmen nun alles Leiden, Krankheit, Hindernisse, Karma usw. an. Auch dieser Teil benötigt meist einige Atemzüge. Die Betonung liegt hier also auf der Visualisierung und nicht auf dem Atem. Wir beginnen mit dem Ausatmen und den damit verbun­denen Vorstellungen und nehmen uns soviel Zeit, wie wir benö­tigen. Dann ändern wir mit dem nächsten Einatmen die Visuali­sierung und nehmen uns auch hier wieder die Zeit, die wir benö­tigen, während wir normal weiter atmen. Wenn die Vorstellung des Nehmens vollständig ist, wechseln wir erneut mit dem nächsten Ausatmen zur Übung des Gebens usw.

Liebende Güte, Mitgefühl und Bodhicitta sind wichtige Aspekte, die wir üben und entwickeln müssen. Sie sind außerordentlich kostbar und können jederzeit, an jedem Ort und zu jeder Gele­genheit praktiziert werden.

S. 62 – 66