Die Dakini aus der geheimen Höhle

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Das Leben der tibetischen Yogini Drikung Khandro
von Jürgen Manshardt

  • 2. Auflage 2008
  • 88 Seiten, 14 x 21 cm
  • Softcover, Klebebindung
  • ISBN 3-933529-25-5 / 978-3-933529-25-1
Artikelnummer: 500-010 Kategorien: , Schlüsselwort:

Beschreibung

Über das Buch

Drikung Khandro war eine faszinierende tibetische Yogini, die bereits als junges Mädchen in verschneiten Bergeshöhen meditierte und zu hohen Verwirklichungen gelangte. Zudem war sie in den buddhistischen Schriften bewandert, da sie bei großen Meistern und in Klosterkollegien umfangreich studierte, was für eine Frau in Tibet – aufgrund der patriarchalischen Gesellschaftsstrukturen, die auch vor den Klostertoren nicht Halt machten – äußerst ungewöhnlich war. Drikung Khandro wurde schließlich zu einer Meditationsmeisterin und geachteten buddhistischen Lehrerin, die sogar hohe Lamas zu ihren Schülern zählte.
Wie die meisten Tibeter ihrer Generation musste Drikung Khandro schwere Schicksalsschläge und Entbehrungen hinnehmen und vor den chinesischen Besatzern auf gefahrvollen Wegen aus ihrer Heimat ins Exil fliehen. Aber weit davon entfernt, sich durch die völlig neuen und desolaten Bedin- gungen im fremden Nepal und Indien von ihrem Pfad abbringen zu lassen, führte sie unbeirrt ihre Meditationen, Studien und Bettelgänge weiter und inspirierte viele Menschen durch ihre kompromisslose und tiefe Spiritualität.
Jürgen Manshardt hat das wechselhafte und faszinierende Leben dieser tibetischen Dakini erforscht und erstmalig in diesem Buch dokumentiert.

Inhaltsverzeichnis

Geleitwort von Lho Ontul Rinpoche

Einführung
Geburt in das Drikung-Mandala
Jugend und frühe Verwirklichungen
Gefahrvolle Flucht
Im sicheren Exil

Anhang
Yeshe Tsogyal, die Prinzessin aus Karchen
Mandarava, Göttin des langes Lebens und Haupt der Dakinis
Kurze Lebensbeschreibung von Chodrung Rinpoche, der vorherigen Drikung Khandro
Anmerkungen
Bibliographie
Index der tibetischen Begriffe
Über den Autor
Bemerkung zur Transkription

 

Leseprobe

Mandarava, Göttin des langen Lebens und Haupt Der Dakinis1 Genau wie Yeshe Tsogyal war Mandarava eine Gefährtin von Guru Padmasambhava. Die indische Prinzessin Mandarava verhalf diesem außergewöhnlichen Tantriker durch Geheimpraktiken in der Höhle von Maratika2 dazu, die Stufe der Unsterblichkeit zu erlangen. Sie selbst erzielte dort ebenfalls die hohe Stufe einer unsterblichen Erkenntnisträgerin (Skrt. Vidyadhara), und am Ende ihres Lebens löste sich ihre gewöhnliche Erscheinung in den letztgültigen Regenbogenkörper auf, ein deutliches Anzeichen ihrer Vervollkommnung. Mandarava wird auch verehrungsvoll als ‚Haupt der einhunderttausend Dakinis’ bezeichnet. Anders als bei Yeshe Tsogyal zeichnen Mandaravas Hagiographen das Bild einer Dakini, die bereits vor zahllosen Leben die Erleuchtung als weiblicher Buddha Pandaravasini3erlangte und sich fortan als Emanationskörper (Skrt. Nirmanakaya) in Gestalt verschiedener Dakinis offenbarte, um meist mit Wunderkräften, weiblichem Charme, blendender Schönheit, aber auch schierer Macht die buddhistischen Lehren zu verbreiten und die Gemüter der Lebewesen und Dämonen in den unterschiedlichen Bereichen zu zähmen.

  1.  Bei dieser Darstellung stütze ich mich hauptsächlich auf den tibetischen Text: Za hor rgyal po’i sras mo lha lcam man dha ra ba’i rnam thar pa rin chen phreng ba und die englische Übersetzung in: The Lives and Liberation of Princess Mandarava, Wisdom Publications, 1998.
  2.  Im heutigen nördlichen Nepal gelegen.
  3. Die weibliche Gefährtin von Buddha Amitabha, dem Buddha des unendlichen Lichtes und des westlichen Paradieses Sukhavati.

Rezension

Sherap Tarchin, genannt Drikung Khandro, war eine faszinierende tibetische Yogini, Meditationsmeisterin und geachtete buddhistische Lehrerin. Jürgen Manshardt, erfahrener tibetisch-buddhistischer Praktiziernder und Autor, hat sich in seinem Buch vorgenommen, das Leben dieser Frau aus den spärlichen Quellen zu rekonstruieren und anschaulich werden zu lassen.
Schon die Lebensdaten der Drikung Khandro sind nicht gesichert: geboren 1927 oder 1928 in Drikung/Tibet, ca. 800 km von Lhasa entfernt, gestorben 1978 oder 1979 in Manali/Indien. Ähnlich mythendurchsetzt sind viele Details ihrer Lebensgeschichte, die Manshardt in mühevollen Recherchen und Gesprächen vor Ort zusammengetragen hat. Ähnlich christlichen Heiligenlegenden entsprechen viele Einzelheiten sicherlich nicht dem westlichen Verständnis von Geschichtswissenschaft. Aber im ganzen entsteht der Leserin oder dem Leser ein plastisches Bild dieser beeindruckenden Frau vor Augen.
Originalfotos im Anhang des Buchs geben ihr ein reales Gesicht. Viele Fußnoten und Anmerkungen verleiten kaum zu einem flüchtigen Überlesen, und der kurze Text von knapp 30 Seiten entwirft ein eher hingehauchtes Portrait, das sich konkret kaum fassen lässt. Im Anhang findet man eine Lebensbeschreibung von Yeshe Tsogyal (757-817), der spirituellen Gefährtin von Padmasambhava, als deren Wiedergeburt Sherap Tarchin galt, und von Chodrung Rinpoche (1886-ca.1958), der vorherigen Drikung Khandro.
Ein sehr anregendes Buch. Man darf sich nur nicht durch die traditionell tibetisch-buddhistische Sicht des Fachautors zu sehr von der starken Persönlichkeit von Sherap Tarchin ablenken lassen. Ein eher seltenes Beispiel, dass auch Frauen im tibetischen Buddhismus eine bedeutende Rolle spielen können.

Werner Liegl