Die Goldene Perlenkette der Drikung Linie

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Lebens- und Befreiungsgeschichten der Drikung Kagyü Thronhalter

aus dem Tibetischen ins Englische übersetzt von Khenpo Tsültrim Tenzin und Hun Lye

deutsche Übersetzung von Heinz-Werner Goertz

 

DANA-Exemplar

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Beschreibung

Eine Einführung in die erstaunlichen Lebens- und Befreiungsgeschichten der Thronhalter der glorreichen Drikung Kagyü Linie des tibetischen Buddhismus.

Aus der Einleitung:

Die Linie der Kagyü-Vorfahren ist auch als die Goldene Perlenkette (Sertreng) bekannt. Die kostbare und reine Übertragung des Dharma – sowohl seine äußeren Aspekte als auch innere Verwirklichungen – bildet den Faden, der die goldenen Perlen aufreiht, welche die Thronhalter der Linie sind.

Die vorliegende Sammlung von Biografien präsentiert 39 Lebens- und Befreiungsgeschichten (Namthar) der Meister der Goldenen Perlenkette der Glorreichen Drikung Kagyü. Seit der Gründung des Klosters Drikung Thil, des Klostersitzes der Linie, im Jahr 1179 durch Kyobpa Jigten Sumgön (1143-1217) haben die Thronhalter der Linie den kostbaren Dharma bis heute ergeben und rein zum außerordentlichen Nutzen vieler Wesen übertragen. Wir, die derzeitige Generation (und alle vergangenen und zukünftigen Generationen), sind die Nutznießer der Güte dieser großen Thronhalter. Dass wir ihre Namen erfahren, ihre Lebens- und Befreiungsgeschichten lesen (und sogar in einer anderen Sprache als Tibetisch!), durch sie inspiriert werden und schließlich geeignete Gefäße für den kostbaren Dharma-Ambrosia werden können, den sie zuteil werden lassen, geschieht aufgrund des Segens, erzeugt durch die Kraft ihrer Verwirklichungen. Indem wir dieses Buch zugänglich machen, hoffen wir, dass andere inspiriert werden, auf diese authentischen Lehren zu vertrauen, die von ‚Mund zu Ohr‘ übertragen wurden, vom ursprünglichen Buddha Vajradhara über die Linie der Drikung Kagyü Thronhalter und Lehrer bis schließlich auf jeden Einzelnen von uns.

Leseprobe

Der 32. Drikungpa, Könchog Thugje Nyima

Der 5. Drikung Kyabgön Chetsang (1828-1881; R. 1866-1871)

Der fünfte Kyabgön Chetsang stammte aus einer Hirtenfamilie nördlich von Lhasa, nahe dem Namtso-See. Er wurde in der Nacht einer Mondfinsternis geboren. Jeder in dem Gebiet betrachtete das Kleinkind als einen besonderen Lehrer und er wurde Rinchen Chöwang genannt. Es herrschte unter den Kagyü- Lamas Einhelligkeit, dass er der Chetsang Tulku war. Taglung Zhabdrung, der 14. Karmapa, der neunte Situ (Pema Nyingje Wangpo, 1774-1853), der achte Pawo (Chökyi Gyälpo, 1785-1840) und der siebte Tsurpu Gyältsab (Chöpel Zangpo) bestätigten alle seine Anerkennung. Dennoch mussten in dieser Periode der tibetischen Geschichte alle großen Tulkus, die sich auf Zentraltibet stützten, durch Ziehen eines Loses aus der sogenannten ‚Goldenen Vase’ erwählt werden – ein Ritual, das von der Ganden- Regierung kontrolliert wurde. Die Anwartschaft des jungen Chetsang wurde der Zentralregierung bekannt gemacht und zur rechten Zeit wurde sein Name aus der Goldenen Vase ausgewählt. Er wurde dann nach Drikung gebracht, um mit seiner Ausbildung zu beginnen. Abgeordnete der Hauptklöster aller Kaygü-Linien in der Region, einschließlich Tsurpu, Daglha Gampo, Drugpa und Taglung nahmen an seiner großzügigen Willkommenszeremonie teil. Der 14. Karmapa gab dem junge Chetsang Tulku den Namen Könchog Tenzin Chökyi Lodrö.

Bald danach traf der Regent Lhochen Chökyi Lodrö Rinpoche in Drikung ein, führte das Haarschneideritual durch und gab ihm seinen eigentlichen Namen Könchog Thugje Nyima. Bei dieser Feierlichkeit [Im engl. Text: Upon his tonsure (Anm. d. Übers.) ] machten ihm die Könige von Ladakh und Nangchen viele Geschenke. Der junge Tulku studierte unter seinem Hauptlehrer Könchog Yönten Jungne. 1834 ging Thugje Nyima nach Lhasa, um von dem zehnten Dalai Lama, Tsültrim Gyatso.  Die Goldene Perlenkette der Drikung Linie (1816-1837), die Haarschneidezeremonie durchführen zu lassen. Letzterer gab ihm den Namen Ngawang Thrinle Wangchug. Fünf Jahre später, im Jahr 1839, nahm er die Novizenordination und erhielt noch einen weiteren Namen: Geleg Chökyi Özer Drodül Pälzang. Im nächsten Jahr (1840) starb sein geliebter Lehrer. Des Weiteren fiel in jenem Jahr Ladakh unter General Zorawar Singh (1786-1841) an die Dogras. Dies wirkte sich ungünstig auf die Drikung-Klöster in Ladakh aus. 1842 drangen die Dogras dann in Ngari ein. Thugje Nyima und das ganze Kloster Drikung Thil führten viele Rituale aus, um ihre Klöster und die lokale Bevölkerung in Westtibet vor diesen Eindringlingen zu beschützen. Schließlich wehrte die tibetische Armee sie von Ngari ab, aber Ladakh wurde 1842 unwiderruflich Jammu und Kashmir angegliedert.

Thugje Nyima erhielt 1847 die volle Mönchsordination von einem Schüler des vorherigen Kyabgön Chetsang. Danach begann er, die buddhistische Lehre und Rituale unter Lhogar Trichen und Guna zu studieren. Seine Mahamudra-Unterweisungen bekam er von Kyuchog Könchog Tenpa während einer besonderen Zusammenkunft im Goldenen Tempel. Thugje Nyima studierteaußerdem die tibetische Medizin und wurde später ein führender Arzt.

1850 war ein weiters Jahr des Unfriedens in Tibet. Es gab sowohl in Ruthog als auch an einem Ort an der Grenze zu China, Nyaltha genannt, Krieg. Überdies beuteten die Engländer die Volksstämme im südlichen Himalaya aus (besonders die Tawang)und die Regierung in Lhasa unterdrückte die Bevölkerung von Zentraltibet. Trotz der unsicheren Zeiten gab Thugje Nyima 1851eine umfangreiche Reihe von Ermächtigungen in Terdrom und setzte seine Dharma-Aktivitäten fort. 1858 ging er auf Pilgerreisezum Berg Kailash.

1862 brach in Zentraltibet Bürgerkrieg aus, was zu Reting Rinpoches Flucht nach Amdo führte. Auch Thugje Nyima verließ die Gegend und fand Frieden und Schutz in Gönsar Gompa in Nagshö. Zwischen Drikung und Nagshö hielt er an, um viele befreundete Klöster zu besuchen. 1863 sprach er vor einer großen Dharma-Versammlung mit Kyabje Dorje Chang, währenddessen er den ‚Fünfteiligen Pfad der Mahamudra’ und ‚Die Eine Intention’ lehrte, die Avalokiteshvara Erlaubnis-Initiation (tib. Jenang) gab und so weiter. In jenem Sommer kehrte er nach Drikung zurück. 1865 starb Chungtsang Chönyi Norbu und Thugje Nyima nahm an der Beisetzung teil.

Thugje Nyima machte in den nächsten Jahren mehrere Ausflüge an Pilgerorte in Kongpo. 1868 ging er nach Tsari, Chigchar, Labchi und Gampo. 1869 reiste er nochmals dorthin. Seine Hellsicht ermöglichte es ihm, auf dieser Reise zu erkennen, dass der Chungtsang Tulku wiedergeboren war. Der sechste Chungtsang Tulku wurde als Cousin des zwölften Dalai Lama, Thrinle Gyatso (1856-1875), mütterlicherseits geboren. 1870 bestätigte die Ganden-Regierung die Erkennung jenes Jungen als Chungtsang Tulku. Im folgenden Jahr wurde er nach Drikung gebracht. Der junge Chungtsang Tulku traf am 15. Tag des ersten tibetischen Monats ein, dem Fest des Zeigens von Wunderkräften des Buddha, um seine Widersacher zu überzeugen. Thugje Nyima führte die Haarschneidezeremonie durch und nannte ihn Könchog Tenzin Chökyi Lodrö.

Im Laufe der Jahrhunderte brachen gelegentlich Konflikte zwischen den Chetsang- und Chungtsang-Lagern aus. Nachdem der junge Chungtsang Tulku in Drikung eingetroffen war, erwies es sich als schwierig, sich auf Herrschaftsteilung zu einigen. Der Sohn des Aufsehers in Drikung ergriff Partei und versuchte, die jeweiligen Machtbefugnisse, die die beiden Lamas über die Institution hatten, gleichmäßig aufzuteilen. Thugje Nyima stimmte seinen Forderungen nicht zu und es folgte eine Auseinandersetzung. Da der junge Chungtsang Tulku aus der Familie des Dalai Lama stammte, konnte Thugje Nyimas Lager nicht siegen und er wurde ins Exil nach Tölung geschickt.

1878 wurde der im Exil lebende Thugje Nyima nach Nangchen eingeladen. Auf dieser Reise nach Osttibet besuchte er wieder Nagshö und es entstand eine enge Verbindung mit Lho Jedrung Rinpoche. 1881 kehrte Thugje Nyima nach Zentraltibet zurück. Zwei Jahre später, im Jahre 1883, kehrte Thugje Nyima schließlich nach Drikung zurück. 1884 gab er eine mündliche Übertragung der Schriften der Meister der Kagyü-Linie. Thugje Nyima war im Sommer und Herbst 1885 krank und hielt sich zur Erholung in Kyetsal Rabgye Ling in Luma Jangra auf. Während seiner Krankheit besuchte ihn Drubwang Könchog Chökyab. Unglücklicherweise konnten die Heilungsrituale des Letzteren ihn nicht gesund machen und im gleichen Jahr starb der Kyabgön Chetsang. Bedeutende Lamas, die zu den Schülern des fünften Kyabgön Chetsang gezählt werden, sind Lho Jedrung, Ön Künzang Drödul, Drubwang Könchog Tenzin, Rinchen Ngawang Phüntsog, Khewang Könchog Norzang, Khenchen Sönam Künga, Surpön Könchog Zangden, Katsel Nyedag Thrinle Könchog und Changlochen Khenchung.