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Ursachen von Glück und Leid

 19,80  5,00 inkl. MwSt.

Ein buddhistisches Handbuch zur Entwicklung von Weisheit und Mitgefühl
von Khenchen Könchog Gyaltsen Rinpoche

  • Drikung Kagyü Verlag (DKV)
  • 1. Auflage 2004
  • 240 Seiten, 14 x 21 cm
  • Softcover, Klebebindung
  • ISBN: 3-933529-10-7 / 978-3-933529-10-7

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Artikelnummer: 500-002 Kategorien: , Schlüsselworte: ,

Beschreibung

Über das Buch

„Menschen besitzen die Fähigkeit, Tugend zu entwickeln und Unwissenheit zu zerstreuen. Genau wegen diesem angeborenen Potential zur Erleuchtung können sich Menschen von Leid und all seinen Ursachen befreien. Deshalb sollten wir uns immer über diese glückliche Situation freuen, dass wir etwas über das Leiden lernen können und darüber, wie wir uns davon befreien können.“
Das Buch ‚Ursachen von Glück und Leid‘ präsentiert uns eine sehr genaue Lehre über die Natur von Samsara und Nirvana. Es beinhaltet detaillierte Kapitel sowohl über Leiden und Bodhicitta als auch über wirkungsvolle Methoden der Reinigung und der Übung von Bodhicitta.
Khenchen Könchog Gyaltsen Rinpoche ist ein Abt der Drikung Kagyü Linie des tibetischen Buddhismus. Er ist der Gründer des ‚Tibetan Meditation Center‘ und weiteren Zentren in Nordamerika. Er ist Autor und Übersetzer verschiedener Bücher wie ‚Great Kagyü Masters‘, ‚In Search of the Stainless Ambrosia‘ (deutsche Ausgabe: ‚Auf der Suche nach dem Reinen Nektar des Langen Lebens‘), ‚Garland of Mahamudra Practices‘, ‚Prayer Flags‘, ‚Jewel Treasury of Advice‘ und ‚Jewel Ornament of Liberation‘.

Leseprobe

Die Sechs Paramitas

„Geduld“

Geduld hat nichts mit Passivität, Unterwürfigkeit, Faulheit oder Schwäche zu tun. Die Vervollkommnung von Geduld ist statt dessen die Stärkung von Mitgefühl und Weisheit. Geduld geht mit einem stabilen Geist einher, einem Geist, der, frei von Furcht, hart auf die Erleuchtung hinarbeitet. Wenn Dinge getan werden können, werden sie zur rechten Zeit und am rechten Ort getan. Wenn sie nicht vollbracht werden können, macht es keinen Sinn, zornig und ungeduldig zu werden. „Die Geduld gleicht einer Rüstung“, sagt Drikung Bhande, „der Zorn kann sie nicht durchdringen, und sie vermehrt alle tugendhaften Qualitäten.“

Die Praxis der Geduld fällt in drei große Kategorien: Geduld im Zusammenhang mit Menschen, Geduld im Zusammenhang mit Umständen und Geduld im Zusammenhang mit dem Dharma. Zorn und Hass sind so gewaltig, dass sie unsere innere Ruhe vollkommen zerstören können. Und nicht nur das, darüber hinaus zerstören sie auch alles Heilsame, das wir über Tausende von Leben oder gar Äonen angesammelt haben (das wird im Bodhicharyavatara beschrieben). Alle über einen Zeitraum von Tausenden von Kalpas angesammelte Tugend kann in nur einem Augenblick des Hasses vernichtet werden. Es gibt nichts Übleres als Hass und keine größere innere Stärke als die Geduld. Solange es Zorn, Hass und negative Emotionen in unserem Geist gibt, finden wir keinen Frieden, keine Tugend und kein Glück. Ebenso wenig erleben wir Frieden in unserer Familie, unter unseren Freunden und in der Gesellschaft. Daher wollen wir uns jede nur erdenkliche Mühe geben, achtsam zu bleiben und es diesen negativen Emotionen nicht erlauben, in unserem Bewusstsein Wurzeln zu schlagen.

Es steht geschrieben, dass unsere Feinde die Spiegelungen unseres eigenen negativen Karmas sind. Daher hat Atisha uns gewarnt: „Wenn du hasst, wie kannst du Geduld üben?“ Diejenigen, die uns schaden, uns behindern und uns beschuldigen oder blamieren, geben uns eine Gelegenheit, Geduld zu üben; dafür sollten wir dankbar sein. Durch diese Praxis bekommen wir die große Gelegenheit, unser negatives Karma und unsere Verschleierungen zu reinigen. Durch diese Praxis können wir Verdienst und Weisheit ansammeln und große geistige Kraft gewinnen. Daher sollten wir in unseren Feinden große Lehrer für Geduld erkennen.

Manchmal sagen wir: „Der und der ist ein sehr guter Lehrer, aber sehr aufbrausend und leicht zornig.“ Wie kann so jemand ein guter Lehrer sein? Durch Zorn zerstörte Tugend ergibt negatives Karma, das viel schlimmer ist als das von Gier und Anhaftung geschaffene. Diejenigen mit guter Dharma-Praxis sollten also sanft sein wie Baumwolle und süß wie Backwerk, gleichzeitig aber fest in ihrer Disziplin, mit klarem Geist und frei von Verwirrung.

Wenn wir den Dharma studieren und praktizieren, werden uns viele Härten begegnen. Die Kälte des Winters und die Hitze des Sommers machen die Dinge schwierig für die Praktizierenden. Wenn wir diesen Dingen ausgesetzt sind, müssen wir Geduld und Akzeptanz üben. Denn sonst werden wir, sobald uns im Schreinraum nur etwas kalt wird, es nicht ertragen können, nicht meditieren können und dann alles andere tun als zu meditieren. Was für schwache Praktizierende wir doch sind! Die Lebensgeschichten der großen Meister, wie die von Buddha, Milarepa und anderen zeigen uns, wie brillant sie mit den Härten der Dharma-Praxis umgegangen sind. Wenn es leicht oder angenehm wäre, könnte es jeder tun. Aber da wir uns hier in Samsara befinden, gibt es Dinge, die wir mit Stärke und Klarheit ertragen müssen. Welcher Schwierigkeit wir auch begegnen, wir sollten sie akzeptieren und sie als Meditationspraxis zur Erleuchtung nutzen. Wir müssen unüberwindbaren Mut und große Kraft durch die Praxis des Dharma entwickeln.

Der Buddha sagte, dass wir bereit sein müssen, durch ein Feld von Messern oder Feuer zu gehen, wenn wir den Dharma wählen. Das bedeutet nicht, dass wir unnötig leiden sollen; gemeint ist die Ebene von Verpflichtung, die wir eingehen müssen. Wir sollten darüber kontemplieren, dass wir eines Tages sterben müssen, und mit diesem Gedanken im Sinn sollten wir jede Situation akzeptieren, während wir uns auf den Dharma konzentrieren.

Jigten Sumgön verbrachte sieben Jahre im Retreat, und obwohl er die Reinkarnation des Buddha, von Nagarjuna und anderen großen Bodhisattvas war, war er doch mit großen Härten konfrontiert. Es mangelte ihm an Unterkunft, Kleidung und Nahrung, und doch widmete er sein ganzes Leben der Praxis. Nicht, dass er sich Kleidung, Nahrung und Unterkunft nicht hätte verschaffen können, wenn er gewollt hätte, das ist nicht der Punkt. Um Erleuchtung zu erlangen, muss der Geist voll auf den Dharma konzentriert sein.

Heutzutage mögen wir denken, dass ein guter Guru sowohl in Samsara als auch im Dharma bewandert sein müsse. Aber die beiden Fähigkeiten schließen sich gegenseitig aus. Können Wasser und Feuer gleichzeitig am selben Fleck existieren? Bis sie nicht in Praxis verwandelt sind, stehen samsarische Aktivitäten (die acht weltlichen Belange) im völligen Widerspruch zum Dharma. Nicht dass Milarepa keine Karriere im weltlichen Leben hätte machen können. Er wäre wohl sehr viel erfolgreicher gewesen als wir es sind. Der Punkt ist, dass Prestige und Reichtum für ihn keine erstrebenswerten Ziele waren. Darum widmete er einhundert Prozent seiner Zeit und Energie der Dharma-Praxis. Viele Jahre saß er in Meditation, häufig ohne Nahrung und Kleidung, das ging so weit, dass Menschen, die ihn sahen, erschreckt aufschrieen, weil sie ihn nicht für ein menschliches Wesen, sondern für einen Geist hielten. Milarepa praktizierte den Dharma mit einer derartig wilden und absoluten Entschlossenheit, dass er bis heute zu den inspirierendsten aller Praktizierenden gehört. Darum erinnern wir uns auch immer an den großen Lehrer Milarepa, wenn wir selbst Härten erdulden müssen. Er war so unwillig, seine Zeit oder Energie mit samsarischen Aktivitäten oder eitlem Geschwätz zu vergeuden. Aber er war sehr geduldig und ertrug große Härten, wenn es um die Dharma-Praxis ging.

Wenn wir den Dharma unter erschwerten Bedingungen praktizieren müssen, haben wir die besondere Möglichkeit, negatives Karma zu reinigen, Weisheit und Mitgefühl zu entwickeln und sowohl körperlich als auch mental stärker zu werden. Die entsprechenden Methoden finden sich in der Praxis der Geduld im Zusammenhang mit dem Leiden. Sie beinhalten unter anderem das Benutzen von Leid als eine Möglichkeit zur Reinigung.

Die dritte Praxis der Geduld bezieht sich auf Mahamudra, allesdurchdringende Leerheit, Nicht-Selbst, den Illusionskörper und die grenzenlosen exzellenten Qualitäten des Buddha. Werden sie missverstanden, können diese Ideen den Menschen Angst einjagen, wir müssen also darauf achten, dass das nicht geschieht. Erinnern wir uns, dass wir für viele Kalpas in den Höllenwelten wiedergeboren werden können, wenn wir eine missverstandene oder falsche Sichtweise entwickeln oder wenn wir die Lehren missbrauchen oder meiden. Falsche Sichtweisen sind daher letztlich schlimmer als die fünf besonders schwerwiegenden unheilsamen Handlungen.

Atisha sprach einst zu einer Gruppe von Mönchen, die sehr asketisch und rein lebten. Die Mönche genossen die Lehren sehr, aber als Atisha über Nicht-Selbst und die illusorische Natur der Phänomene sprach, bekam es einer der Mönche mit der Angst und bat Atisha aufzuhören. Atisha entgegnete: „Wenn man sich nicht in Bodhicitta geübt hat und daher keinen Fortschritt im Dharma mehr macht, reicht Disziplin allein nicht aus. Selbst zu Lebzeiten des Buddha ist es geschehen, dass einige Mönche, die ihn über Leerheit sprechen hörten, Blut erbrachen, starben und in den Höllenbereichen wiedergeboren wurden.“ Wenn wir also die tiefgründigen Lehren von Mahamudra hören, sollten wir sie und die Lehrer von ganzem Herzen respektieren. Selbst wenn wir sie nicht verstehen, können wir einfach Wunschgebete sprechen, dass wir eines Tages in der Lage sein mögen, diese Lehre zu verstehen und eine Gelegenheit finden, sie zu praktizieren. Das ist der Weg, uns aus der Verwirrung zu befreien und die endgültige Befreiung zu erlangen. Dies fasst das Studium und die Lehre der Geduld zusammen.

Rezension

Von diesem aktiven kleinen Verlag sind bereits einige interessante Editionenklassischer und moderner Texte in deutscher Übersetzung erschienen, darunter bedeutende Bücher des tibetischen Meisters Khenchen Könchog Gyaltsen Rinpoche. Der Autor, der unzählige Quelltexte und Sadhanas ins Englische übersetzt hat, beherrscht die Sprache tiefgründiger tibetisch-buddhistischer Unterweisungen aus dem Mahayana und Vajrayana und paart diese mit einem modernen und verständlichen Stil.
Bei den „Ursachen“ handelt es sich um ein breites Basiswerk für Leser und Praktizierende nicht nur aus den tibetischen Traditionen. Der deutschen Ausgabe liegt die sehr schöne Übersetzung von Tom Geist zugrunde, deren Titel im Englischen „Transformation of Suffering“ die Einbeziehung von Hindernissen in den Pfad zur Erleuchtung vielleicht eher betont. Es geht aber um ein Verständnis der Ursachen für unser gesamtes samsarisches Erleben und eben diese klare Gliederung bietet uns das „Hand“-Buch.
Die sogenannten „Vier Betrachtungen“ – über (1) den kostbaren Menschenkörper, (2) Vergänglichkeit, (3) Leiden im Samsara (im Buch besonders ausführlich behandelt!) und (4) Karma öffnen das Werk und rufen eindringlich zur Zuflucht und Dharma-Praxis auf. Besonders wird der große tibetische Yogi Milarepa mit seinen Gesängen zitiert, etwa über die Leiden von Geburt, Altern, Krankheit und Tod:
„Zum Zeitpunkt des Todes wirst du den Dharma brauchen. Wenn du die Praxis aufschiebst, verlierst du eine kostbare Gelegenheit. Daher ist es weise, eifrig zu üben“ (S.67-68)
Zur Hälfte des Buches angelangt, kommen im Kapitel Zuflucht wertvolle Anleitungen zum Dharma im Alltag, die als zentrales Gefüge im stufenweisen Aufbau des Buches für jede(n) verständlich sind:
„Niemals sollten Sie den Dharma als bloßes Kuriosum oder als Relikt einer exotischen Kultur beachten. Sehen Sie ihn als das, was er ist: ein Weg, mit dem wir Samsara in Erleuchtung verwandeln können“ (S.111)
Es folgen praktische Ratschläge, wie selbst das Leid überwunden und zur Ursache eines erleuchteten Geistes werden kann. Die Zeilen bewegen tief und bezeugen die wahrhaft fürsorgliche Güte des Autors.
Danach folgt der längste Abschnitt, Bodhicitta (Erleuchtungsgeist), über die in allen Mahayana Schulen bekannten „Vier Unermesslichen (Geisteshaltungen)“, eine Beschreibung von relativem und absolutem Bodhicitta sowie den sechs Paramitas (vollkommene Qualitäten) als Bestandteil jedes Übungspfades.
Im Schlussdrittel des Buches werden einige kurze Rituale aus dem Vajrayana, z. B. eine kurze Chenresig- (Skrt. Avalokiteshvara) und Tara-Praxis vorgestellt und erklärt. Im Kapitel „Der Dharma des Illusionskörpers“ werden auch erfahrenere Meditierende angesprochen, die nach Beendigung der vorbereitenden Übungen die sog. „Sechs Yogas von Naropa“ praktizieren.
Ein ausführliches Glossar rundet das viele Themen des Dharma umfassende Buch mit weiteren Erläuterungen ab. Ein Buch, das außerdem durch seine liebevolle Gestaltung sehr bereichert.

N. Selo