Chenresig

tib., (Skrt. Avalokiteshvara), “Mit Klaren Augen schauend”, der Bodhisattva des Großen Mitgefühls.

Er gilt als Schutzgottheit des “Schneelandes” (Tibet). Zu den zahllosen Personen, die in den folgenden Jahrhunderten als Inkarnationen dieses Bodhisattva verehrt wurden, zählen auch der Dalai Lama und der Karmapa.

In seiner Form mit tausend Armen befindet sich in jeder Hand ein Auge. Dies symbolisiert, daß er das Leiden der Wesen erkennt und den Wesen mit seiner Weisheit hilft. Seine sechs Hände bedeuten die Hilfe in den sechs Daseinsbereichen. Die Zehn Köpfe symbolisieren die Stadien des Bodhisattva-Pfades und der elfte die Buddhaschaft. Je drei Köpfe drücken Mitgefühl über das Leiden, Zorn über das Böse und Freude über das Gute aus, und Buddha Amitabha an der Krone symbolisiert die welterleuchtende Weisheit als Ursprung und Ziel seines Wirkens.

Mit dieser Form des Chenresig wird eine Meditationsübung (Skrt. Sadhana, “Mittel zur Vollendung”) ausgeführt, die mit dem Einhalten von Gelübden und Fasten verbunden ist – das Fastenritual des Großen Mitfühlenden (tib. Nyungnä).

Die bekannteste Darstellungsform ist die des Chenresig mit vier Armen, wobei er in der linken Hand eine Lotusblüte hält und in der rechten eine Kristall-Mala. Er ist von weißer Farbe und sitzt auf einer Lotusblüte. Die anderen beiden Hände halten vor seinem Herzen das Wunscherfüllende Juwel.

Das ihm zugeordnete Sechs-Silben-Mantra (Skrt. OM MANI PADME HUM, tib. OM MANI PEME HUNG) wurde als erstes Mantra in Tibet eingeführt und ist dort bis heute am weitesten verbreitet.