Leerheit

(Skrt. Shunyata), ein zentraler Begriff des Buddhismus.

Im frühen Buddhismus wurde erklärt, daß alle zusammengesetzten Dinge leer, unbeständig (Skrt. Anitya), nicht-wesenhaft (Skrt. Anatman) und leidvoll (Skrt. Duhkha) sind. In den Schulen des Hinayana wird nur die Leerheit der Person erklärt, während die Schulen des Mahayana sowohl die Leerheit der Person als auch die Leerheit aller Phänomene beschreiben. Sie sind nicht-wesenhaft, d.h. leer von einer Eigennatur (Skrt. Svabhava). Alle Phänomene sind ohne eigenständige, dauerhafte Substanz, sondern von der Leerheit durchdrungen.

Ein falsches Verständnis der Leerheit führt zu den Extremen des Nihilismus und Eternalismus. Die Leerheit darf nicht als Nihilismus angesehen werden, indem man die Auffassung vertritt, daß die Phänomene überhaupt nicht existieren. Im Extrem des Eternalismus glaubt man an ein unveränderliches Ich oder die Selbstnatur der Person und der Phänomene. Ein korrektes Verständnis der Leerheit besteht darin, die beiden Gesetzmäßigkeiten der Leerheit und des abhängigen Entstehens miteinander in Verbindung zu bringen und gleichzeitig an einem Phänomen erkennen zu können. Das Phänomen ist abhängig existent und gleichzeitig leer von inhärenter Existenz.