Der kontinuierliche Pfad zum Erwachen

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Anweisungen zur Praxis des Tiefgründigen Fünfteiligen Pfades

von Drubwang Nono Könchog Tenpa

 

Drikung Kagyü Verlag (DKV)
1. Auflage 2017
108 Seiten, 14,8 x 21 cm
Softcover, Klebebindung

 

Artikelnummer: 500-017 Kategorien: , Schlüsselwort:

Beschreibung

Drubwang Könchog Tenpa, bekannt als Nono Rinpoche, war der Klausurmeister von Densa Thil. Geboren im Dorf Umla in Ladakh, war er ein Nachkomme der Familie des großen tibetischen Yogi Milarepa, dem Kronjuwel der Praktizierenden im Land des Schnees. Er diente S.H. Drikung Kyabgön Peme Gyaltsen (1770-1826) für zwölf Jahre als Sekretär. Die handgeschriebenen Manuskripte der gesammelten Werke, die heute noch vorliegen, wie z.B. die Werke der beiden Gyaltsens, entstammen seiner Handschrift. Er widmete nach dieser Tätigkeit den Rest seines Lebens der Praxis und wurde schließlich zu einem unbeirrbaren Meister in der Kraft der Hellsichtigkeit. Aufgrund dessen wurde er der erste in der Nachfolge von Klausurmeistern, die den Ehrentitel ‚Vajradhara‘ verdienten.

Er schrieb dieses Handbuch für die Praxis, das in den hauptsächlichen Klausurzentren der Drikung Kagyü Linie verwendet wird. Sein ausgezeichnetes Geschenk an die Praxislinie ist detailliert, Sitzung für Sitzung, verfasst und es ist bei weitem der verlässlichste Text auf dem Weg der Praxis des fünfteiligen Mahamudra-Pfades.

aus dem Vorwort von Seiner Heiligkeit, dem 37. Drikung Kyabgön Chetsang

 

Inhaltsverzeichnis

– Vorwort
– Anmerkung des Übersetzers
– Danksagung
Einführung
Die vier allgemeinen Vorbereitungen
Die vier außergewöhnlichen Vorbereitungen
– Zuflucht
Vajrasattva-Meditation
Mandala
– Guru Yoga
Die besonderen Vorbereitungen
Der Hauptteil
– Die Meditation des Deva
– Die Praxis des Guru
– Mahamudra – Die absolute Essenz der Vollendungsstufe
Der Abschluss
Biografie von Drubwang Nono Rinpoche
Bücherhinweise

 

Leseprobe

Es ist sehr wichtig, dass die Rezitation nicht ein bloßes Lippen­bekenntnis ist, sondern sich mit dem Geist vermischt und viele Male wiederholt wird.

Führe am Abend des Anfangstages eine angemessene Zahl von Rezitationen der Verse der Zufluchtnahme aus. Am Schluss der Sitzung löst sich innerhalb der Zufluchtsobjekte das Gefolge in das zentrale Objekt auf, das zentrale Objekt löst sich in Licht auf und das Licht verschmilzt mit dir. Indem du auf diese Weise klar visualisierst, versetze [den Geist] in den ungekünstelten Zustand des Nicht-Denkens und verweile kurz in Ausgeglichenheit.

Visualisiere während der [Sitzungen der] Ansammlung an jedem Morgen die Objekte der Zuflucht. Rezitiere danach die Zu­fluchtsverse zusammen mit so vielen Niederwerfungen wie mög­lich. Traditionellerweise sammelt man 100.000 Zufluchtsgebete an, indem man die Rezitationen zählt. Auf diese Weise kann man bei 100.000 Zufluchtsgebeten sicher 200.000 Niederwerfungen ausführen.

Behalte im Übrigen stets die Bedeutsamkeit der Zufluchtnahme im Geist, erlange ein klares Bewusstsein des Nutzens und der Re­geln der Zufluchtnahme und visualisiere immer wieder die Ob­jekte der Zuflucht. Es wird gesagt, dass dies eine ausgezeichnete Bemühung ist.

Auf allen Stufen des Pfades bedeutet es einen positiven Impuls für den Pfad, wenn die Visualisierung am Abend des Anfangs­tages scharf und klar ist, und die Visualisierung wird dann Tag für Tag ein bisschen klarer. Wenn die Visualisierung hingegen auf­grund von geistiger Unschärfe als Folge von hektischer Arbeit, Ablenkungen und so weiter von Beginn an unklar ist, wird dies zu einer schlechten Gewohnheit auf dem Pfad. Dann ist es später schwer, auch trotz aller Anstrengungen, eine klare Visualisierung zu erzielen. Es ist daher am ersten Tag wichtig, etwas früher zu beginnen und die Stufen der Visualisierung – wie etwa die Ob­jekte der Zuflucht und so weiter – sorgfältig und klar aufzubauen und die Sitzung etwas früher abzuschließen. Lass durch diese Methoden und so weiter den Geist langsam auf seinen natürli­chen Zustand einschwingen und komme nach der Rezitation der Langlebens- und Widmungsgebete zum Schluss.

Im Allgemeinen wird gesagt:

Der Geist ist der Führer des ganzen Dharma.

Der Geist ist das Oberhaupt.

Dementsprechend wird gesagt, dass der ganze Dharma von der Absicht des Geistes abhängt. Entwickle deshalb zuallererst Liebe, Mitgefühl und Bodhicitta in einem geistigen Zustand, der völlig unbefleckt von Gedanken – wie etwa den drei Giften – ist und als einziges Ziel das Streben nach dem Erwachen besitzt.

Bewahre während der Durchführung der Sitzung durchgehend genügend Achtsamkeit, Wachheit und Aufmerksamkeit, um Klarheit und Schärfe in der Visualisierung aufrechtzuerhalten. Was noch wichtiger ist: am Ende der Sitzung ist es absolut un­angemessen, die Widmung auszuführen, während negative Ge­danken, wie die fünf oder drei Gifte oder andere, im Geist aktiv sind. Führe daher die Widmung im Zustand des Gleichmuts oder im Zustand des göttlichen Stolzes aus. Andernfalls widme mit diesem Gedanken: „Durch diese Wurzel des Heilsamen mögen alle fühlenden Wesen, die meine Mütter gewesen sind und deren Zahl der Unendlichkeit des Himmels gleicht, frei sein vom Leid und schnell das unübertroffene, vollkommene, vollständige und kostbare Erwachen erlangen.“ Es wird gesagt, dass Gebete un­fehlbar sind und sich, egal was passiert, am Ende erfüllen werden, wenn sie auf solche Weise gewidmet werden. Folge deshalb im­mer dieser Muster.

Zur Zeit des Schlafengehens schneide die Bewegung der negati­ven Gedanken ab, lege dich wie ein schlafender Löwe nieder und entwickle die vorwegnehmende Absicht, am kommenden Tag Anstrengungen in der Praxis des Heilsamen zu unternehmen. Meditiere dann auf ein daumengroßes Bild des Guru in deinem Herzen und versuche, damit einzuschlafen oder im Gleichmut des lebendigen, natürlichen Zustandes deines Geistes zu ruhen und in diesem Zustand zu schlafen.

Entwickle bei Tagesanbruch unmittelbar nach dem Aufwachen Bodhicitta, bevor irgendein anderer Gedanke dazwischenkommt. Schreite von dort auf dem ‚Fünfteiligen‘ mit dem Gebet ‚Die sie­ben Zweige‘, der Dharani des reinen ethischen Verhaltens und der Erzeugung von strebendem und ausführendem Bodhicitta und so weiter fort, wie es am Anfang bei ‚Mich hassende Feinde‘ zu finden ist. Dies muss jeden Morgen, wie zuvor beschrieben, ausgeführt werden.

Rezitiere danach die vier allgemeinen Vorbereitungen aus dem ‚Fünfteiligen‘ drei oder sieben Mal, indem du die Rezitation mit der Meditation verbindest und deinen Geist damit ausrichtest.

S. 32 – 35