Herzensunterweisungen für den buddhistischen Weg – Band 1

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Ein Kommentar zur ‚Juwelenschatzkammer guter Ratschläge‘

von Khenchen Könchog Gyaltsen Rinpoche

Khenchen Rinpoche interpretiert die alten Lehren von Drikung Bhande Dharmaradza, der Wiedergeburt des großen Drikung Dharmakirti, mit Mitgefühl, Humor und einem klaren Bewusstsein um ihre Bedeutung für unser heutiges westliches Leben. Wer die Lehren Buddhas ernsthaft studieren und praktizieren möchte, wird in diesem Buch einen unverzichtbaren Ratgeber finden.

Band 1: Grundlegende Erklärungen und die Praxis des Mahayana (274 Seiten)

[Band 2: Die Praxis des Vajrayana und die sechs Yogas von Naropa (236 Seiten)]

Beim Erwerb beider Bände erhält man das Buch „Die Juwelenschatzkammer guter Ratschläge“ (500-008) kostenlos dazu.

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Beschreibung

DIE BUDDHISTISCHEN LEHREN bieten zahlreiche Methoden an, um mehr Sinn und Glück in unser Leben und unsere Beziehungen zu anderen zu bringen. In ‚Herzensunterweisungen für den buddhistischen Weg‘ legt Khenchen Könchog Gyaltsen Rinpoche diese Methoden in einer direkten, lebendigen und bodenständigenSprache dar.
Im Mittelpunkt dieses Buches steht ‚Die Juwelenschatzkammer guter Ratschläge‘, ein von Drikung Bhande Dharmaradza (1704-1754), der Wiedergeburt von Drikung Dharmakirti, verfasster Text. Khenchen Rinpoche interpretiert diese alten Lehren mit Mitgefühl, Humor und einem klaren Bewusstsein um ihre Bedeutsamkeit für unser heutiges westliches Leben. Wer die Lehren Buddhas ernsthaft studieren und praktizieren möchte, wird in diesem Buch einen unverzichtbaren Ratgeber finden.

 

Leseprobe

Inhalt

Vorwort von S.H. Drikung Kyabgön Chetsang
Vorwort der Herausgeberin der englischen Ausgabe
Danksagung
Vorwort zur deutschen Ausgabe
Einführung
Die Juwelenschatzkammer guter Ratschläge
Auflistung der ersten Zeilen der hundert Verse
Einleitende Verse
Allgemeine Ratschläge
Ratschläge für Meditierende
Ratschläge für Mahayana-Praktizierende
Ratschläge zu den sechs Vollkommenheiten
Anhang
Index
Ausgewählte Bibliografie


LESEPROBE (aus dem Kapitel “Ratschläge für Meditierende”)

13    Das Ansammeln von Reichtum ist wie [der Fleiß von] Bienen, die Honig sammeln.
Wir werden durch ihn gefesselt und andere nehmen sich einfach davon.
Sammle deshalb durch die Praxis der Freigebigkeit Verdienst an.
Dies ist mein Herzensrat.

Das Ansammeln von Reichtum, verbunden mit dem Verlangen, in diesem Leben reich zu werden, ist vergleichbar mit dem Honigsammeln der Bienen. Dieser Besitz fesselt uns an Samsara und wird uns mit vielen Methoden, einschließlich Diebstahl und anderem, leicht von anderen abgenommen. Da dies zu einer Quelle von Leiden wird, erklärt dieser Vers die Übung von Freigebigkeit. Mit der Ansammlung von Reichtum soll­ten wir daher auch Verdienste ansammeln, indem wir Freigebigkeit ausüben. Das Resultat von Freigebigkeit ist wahrer Reichtum, der in diesem und in zukünftigen Leben genutzt werden kann. Dieser Reich­tum kann verwendet werden, um das Erwachen zu erlangen. Was für ein wunderbarer Reichtum!

In ‚Der kostbare Schmuck der Befreiung‘ erklärt der Erhabene Gam­popa Freigebigkeit mit einem Zitat aus dem ‚Sutra, das von dem Haus­hälter Drakshulchen erbeten wurde‘:
Was du gegeben hast, gehört dir; was im Haus verbleibt, gehört dir nicht.
Was du gegeben hast, besitzt Essenz; was im Haus verbleibt, hat keine Essenz.
Was gegeben wurde, muss nicht geschützt werden; alles im Haus Aufbewahrte muss geschützt werden.
Was man weggibt, ist frei von Furcht; alles im Haus Zurückgehal­tene wird mit Furcht festgehalten.
Was gegeben wurde, ist dem Erwachen näher; was im Haus ver­bleibt führt zu den Maras.
Die Übung der Freigebigkeit führt zu großem Reichtum; was im Haus bleibt, bringt nur wenig Besitz.
Was gegeben wurde, führt zu unerschöpflichem Wohlstand; was im Haus aufbewahrt wird, wird sich erschöpfen.

Milarepa sagte: „Der erste Eindruck von Wohlstand ist, dass dieser wie ein wunscherfüllendes Juwel ist. Später, im zweiten Schritt, können wir ohne ihn nicht leben. Schließlich wird er zu einem Haken, der Diebe und Räuber anzieht.“
Als Milarepa eines Tages von einem Ort zu einem anderen ging, warn­ten ihn die Dorfbewohner: „Geh nicht auf diesem Weg, er ist sehr ge­fährlich.“ Er fragte sie: „Was für eine Gefahr lauert dort?“ Sie erklärten ihm, dass es dort viele Diebe und Räuber geben würde. Milarepa lachte nur: „Aber ich besitze nichts, was man stehlen könnte.“ Er war so frei.
Bei einer anderen Gelegenheit meditierte Milarepa nachts in einer Höhle, als sich ein Dieb hereinschlich und in allen Ecken suchte, ob es etwas zu stehlen gab. Milarepa begann zu lachen und der Dieb fragte, was so lustig sei. Milarepa antwortete: „Wenn du hier in der Nacht etwas findest, was ich selbst bei Tageslicht nicht finden kann, bitte nimm es mit.“ Der Dieb lachte ebenfalls und ging.
Wohlstand zu besitzen und reich zu sein bedeutet also nicht unbedingt, dass man ein gutes Leben hat oder glücklich ist. Ein Esel mit einer Ladung Gold auf dem Rücken hat sehr viel Gold, aber das macht ihn nicht glücklich, da er die Bedeutung von Reichtum nicht kennt oder nicht weiß, wie er diesen nutzen könnte. Ganz gleich, ob jemand reich ist oder nicht, das Verständnis dafür, wie man zufrieden ist und Wert­schätzung für das, was man besitzt, entwickelt, ist das, was wirklich Glück bringt. Wenn wir das, was wir besitzen, wertschätzen und damit zufrieden sind, brauchen wir tatsächlich nur das zum Leben Notwen­dige.
Halte einen Augenblick inne und denke über die Honigbienen nach, die jeden Tag ohne Rücksicht auf das Wetter damit beschäftigt sind, Honig zu sammeln. Die Bienen haben kaum die Möglichkeit, ihren Honig zu genießen, da ihnen das meiste einfach von anderen weggenommen wird. Ebenso gibt es auch viele von uns, die arbeiten, ohne sich die Zeit zu nehmen, richtig zu essen oder auszuruhen, nur um ein wenig Besitz anzusammeln. Diese Vorgehensweise verursacht Leiden für uns selbst und für andere, ohne dass viel dabei herauskommt. Übe daher Freige­bigkeit, solange du über Wohlstand verfügst.

Rezension

Rezension von Arne Schelling

Dieses auf Deutsch zweibändige Werk ist die Übersetzung des modernen Klassikers “A Complete Guide to the Buddhist Path”, der auf den inspirierenden Ratschlägen von Drikung Bande Dharmaradza (1704-1754), dem 2. Drikung Kyabgön Chungtsang, beruht. Der deutsche und der englische Titel treffen es genau: diese beiden Bände in den Händen zu halten, ist wirklich ein vollständiger Leitfaden für den Pfad, aus dem Herzen eines wunderbaren Meisters, Khenchen Könchog Gyaltsen Rinpoche gesprochen. Rinpoche schafft es in diesen Büchern aufs Neue, zeitlose tibetisch-buddhistische Weisheit einfach, klar und verständlich zu vermitteln, dass man direkt Lust bekommt, diese im eigenen Leben umzusetzen. Dabei werden all die kostbaren Ratschläge der drei Fahrzeuge des tibetischen Buddhismus gelehrt: Beginnend mit 39 grundlegenden Anweisungen über die acht weltlichen Dharmas, Besitz, Freunde und Feinde, unser Bewusstsein, Entsagung, den Lehrer u.v.m. Darauf aufbauend lehrt Rinpoche in 11 Ratschlägen das große Fahrzeug, dessen Herz die Bodhicitta-Praxis ist: eine wunderbare und essenzielle Zusammenfassung über die vier unermesslichen Qualitäten und die Praxis der sechs Vollkommenheiten. Zu meiner Überraschung folgt dann eine sehr umfassende Erklärung des dritten Fahrzeugs, dem Vajrayana, die ich so ausführlich (63 Verse) nicht erwartet hatte. Dabei werden zunächst die grundlegenden Themen behandelt – z.B. Guru, Samaya, die vier Ermächtigungen, Vajra-Stolz, Kyerim und Dzogrim u.v.m., um dann schließlich über die Mahamudra-Praxis und die sechs Yogas von Naropa zu lehren. Zu guter Letzt geht Rinpoche noch auf das Resultat, die zehn Bhumis und die drei Buddha-Körper ein. Abgerundet wird der zweite Band von dem wie immer ausführlichen und umfassenden Glossar des Drikung Kagyü Verlags.
Zusammenfassend kann ich nur sagen: ein Meisterwerk eines Meisters, für solche, die es werden wollen.

Höchstes Mitgefühl ist wie eine geschickte Mutter, die ihr Kind umsorgt.
Sie gibt die Bequemlichkeit auf und kümmert sich um das Wohl von anderen.
Entwickle deshalb den Mut des altruistischen Denkens.
Dies ist mein Herzensrat. (Vers 41)

Khenchen Könchog Gyaltsen Rinpoche
Herzensunterweisungen für den buddhistischen Weg
Band 1: Grundlegende Erklärungen und die Praxis des Mahayana (274 Seiten)
Band 2: Die Praxis des Vajrayana und die sechs Yogas von Naropa (236 Seiten)
Drikung Kagyü Verlag, Aachen, 2016