Buddha-Natur

 29,80

Das Mahayana Uttaratantra Shastra
von Arya Maitreya

niedergeschrieben von Arya Asanga
mit Kommentar von Jamgön Kongtrül Lodrö Thaye
und Erläuterungen von Kengpo Tsültrim Gyamtso Rinpoche

übersetzt von Rosemarie Fuchs

Khampa Edition, 1. Auflage 2000
475 Seiten, 23 x 16 cm
gebunden, mit Schutzumschlag

 

Nicht vorrätig

Artikelnummer: 550-547 Kategorien: , Schlagwort:

Beschreibung

Alle fühlenden Wesen besitzen ohne Ausnahme die Buddha-Natur, die innewohnende Reinheit und Vollkommenheit des Geistes, die von den wechselhaften mentalen Zuständen unberührt bleibt.
Das Mahayana Uttaratantra Shastra, eine der “Fünf Abhandlungen”, vom denen es heißt, sie seien Asanga vom Bodhissattva Maitreya diktiert worden, stellt die difinitiven Lehren des Buddha darüber dar, wie wir uns diesen Grund der Erleuchtung verstehen sollen, und klärt die Natur und die Qualitäten der Buddhaschaft. Dieser grundlegende Text erklärt detailiert und mit großer Klarheit die Sichtweise, welche die Basis für die Praxis des Vajarana und insbesondere der Mahamudra bildet. So schlägt er eine Brücke zwischen den Sutrayana- und Vajrayanaebenen der Lehren des Buddha, hier in einem Kommentar von Jamgön Kongtrül herausgearbeitet.

Jamgön Kongtrül Lodrö Thaye (1813 – 1899),
der Meister von tiefer Gelehrsamkeit und Realisation, der Verfasser der Sammlung, die unter den Namen “Fünf große Schätze” bekannt ist, schrieb den herausragenden Kommentar zu den Mahayana Uttaratantra Shastra, der hier übersetzt vorliegt. Unter den Namen “Das unerschütterliche Gebrüll des Löwen” präsentiert er Maitreyas Text als Hintergrund für die Mahamudralehren in einer Weise, die besonders klar und einfach zu verstehen ist.

Kengpo Tsültrim Gyamtso Rinpoche
stellte die Anmerkungen und Erklärungen zur Verfügung, auf der die vorliegende Übersetzung basiert. Als berühmter Gelehrter und hoch verwirklichter Yogi ist er ein lebendes Beispiel für die fortlaufende Tradition mündlicher Überlieferung. Er besuchte den Westen zum ersten Mal 1977 auf Ersuchen S. H. des 15. Kamapa und seitdem betreut er eine stets wachsende Zahl von Schülern weltweit.

Leseprobe

“Buddha-Natur”
“Einführung” (Seite 12 bis 16)

1.
Der Inhalt dieses Buches ist von folgendem Wesen: Der Lehrer, der Basis, Weg und Frucht der Praxis erklärt, ist der vollkommene Buddha, und unter allen Philosophien dieser Welt sind seine Worte die höchsten und wahrhaftigsten. Der größte Kommentar zu ihrer beabsichtigten Bedeutung ist das Mahayana­Uttaratantra-Shastra, die Abhandlung über die Buddha-Natur, die hier übersetzt ist.
Diesen Text kann man aus den folgenden zwei Gründen als die Rede des Buddha selbst betrachten: Zum Einen wurde er von Maitreya gegeben, den der Buddha im reinen Land von Tushita zu seinem Statthalter ermächtigte, indem er seine Krone auf Maitreyas Haupt setzte, bevor er diesen Bereich zugunsten der Welt der Menschen verließ. Zum Anderen heißt es im Sutra­Kompendium:

„Alle Flüsse in dieser Welt, welche die Wasser führen, die Blumen und Früchte reifen lassen und Wälder zum Gedeihen bringen, fließen durch die Macht des Naga-Königs, der im See Madröpa residiert.
Ebenso hängen jede Erklärung, Debatte, Komposition, Praxis und Erlangung der Frucht, die seine Gefolgschaft von Schülern verWirklicht, einzig von der Macht des Siegreichen selbst ab”.

Aus diesen Gründen kann man das Uttaratantra-Shastra entweder als die Worte des Buddha betrachten, die mit seiner Erlaubnis gesprochen wurden, oder als diejenigen, die der Kraft seines Segens entstammen. Da jedoch nach den eigenen Worten des edlen Maitreya das Uttaratantra-Shastra einen Kommentar zu der beabsichtigten Bedeutung der vollkommenen Rede des fähigen und mächtigen Buddha selbst enthält, wird sie förmlich als solche akzeptiert. Des Weiteren sollten wir uns vor Augen führen, dass nicht der geringste Unterschied besteht zwischen der reinen Rede des Buddha selbst und der Maitreyas, des Herrn der zehnten Bodhisattva-Stufe, oder der Manjushris, Avalokiteshvaras und Vajrapanis, der Häupter der drei Familien. Unter den zahllosen Kommentatoren der Worte des Buddha wurde ihresgleichen nie in dieser Welt gesehen. Aus diesen Gründen verehren alle Gelehrten und Meditationsmeister Indiens und Tibets diesen großen Kommentar, welcher das Uttaratantra-Shastra genannt wird, und heben ihn respektvoll auf ihren Scheitel.

2.
Hinsichtlich der Frage, welche der Sutras des Buddha das Uttaratantra-Shastra kommentieren, vertreten zahlreiche Gelehrte viele verschiedene Auffassungen. Der glorreiche dritte Karrnapa Rangdjung Dordje stellt jedoch klar, dass es im Wesentlichen ein Kommentar zu den die Buddha-Natur erklärenden Tathagatagarbhasutras ist, die der Buddha während seiner dritten Drehung des Rades der Lehre dargelegt hat und die der endgültigen Bedeutung aller seiner Lehren Ausdruck verleihen. Rangdjung Dordjes Erklärung zufolge sah der Buddha in seiner Allwissenheit, dass völlige Erleuchtung in allen Lebewesen im Sinn ihrer wahren Natur vorhanden ist. Aufgrund ihrer Unwissenheit können sie das jedoch nicht sehen und fahren deshalb fort, im Kreislauf der Existenzen umherzuwandern. Um die Mittel zur Verfügung zu stellen, welche diese Verunreinigung des Nichtwissens beseitigen, lehrte der Buddha den Dharma und tat dies auf eine allmähliche Weise, wie sie der Fähigkeit seiner Schüler, die Bedeutung seiner Worte zu verstehen, jeweils entsprach. Anfänglich enthüllte der Buddha die wahre Natur der Wirklichkeit nicht ausdrücklich. Allmählich sprach er unmittelbar von ihr, bis er sie schließlich in voller Klarheit direkt offenbarte, wie sie wirklich ist.

Die letztendlichen und höchsten unter allen zahllosen Lehren des Buddha sind diejenigen, welche die endgültige Bedeutung ausdrücken und Bodhisattvas mit den klarsten Fähigkeiten, deren Seinsstrom aufs Gründlichste gereinigt ist, zur Reife führen werden. Diese Lehren finden sich in verschiedenen Sutras, welche die tiefsten und geheimsten Worte der am höchsten entwickelten philosophischen Sichtweise ausdrücken. Vier von ihnen erhellen die Chittamatra-Philosophie. Sie sind: Das Sutra, das die Zielsetzung enthüllt (Tib. dgong pa nge par ‘grel pa’i mdo), Das Sutra der Reise nach Lanka (Tib. lang kar gshegs pa’i mdo), Das Sutra, das im höchsten reinen Land „Aufs Schönste Geschmückt” gelehrt wurde (Tib. rgyan stug po bkod pa’i mdo) und Das Blumenschmuck-Sutra (phal pochen). Weitere Sutras, welche die höchste Sichtweise vermitteln, sind Das Sutra über die Buddha-Natur (Tib. bde gshegs snying po’i mdo), Das Sutra der Großen Trommel (Tib. rnga po che’i mdo), Das Sutra zum Nutzen Angulima­las (Tib. sor mo’i phreng ba La phen pa’i mdo), Das von der Göttin „Glorreiche Girlande” erbetene Sutra (Tib. lha mo dpal phreng gis zhus pa’i mdo) und andere.

Menschen wie wir sind jedoch von geringen Geistesgaben und unsere falschen Ansichten und unser Mangel an Erkenntnis hindern uns daran, diese Lehren unmittelbar zu verstehen. Um Lebewesen wie uns zu unterstützen, hat Maitreya ihren vollen Inhalt klar in den sieben Vajra-Punkten gelehrt, aus denen das Uttaratantra-Shastra besteht.

3.
Die Kommentatoren der Worte des Buddha werden von den Gelehrten in drei Arten unterteilt: in diejenigen von höchster, mittlerer und schwacher Begabung. Der Autor des Uttaratantra­Shastra ist nicht nur dafür berühmt, die höchsten Qualitäten zu besitzen, wie tiefe Gelehrsamkeit in allen Wissenschaften und unmittelbare Vision der Wahrheit des wirklichen reinen Seins. Er ist darüberhinaus der unanfechtbare edle Maitreya, der auf einer Dharma-Wolke auf der zehnten Bodhisattva-Stufe residiert. Er ist der große Regent des Buddha, der alle mit diesem Rang einhergehenden Kräfte und Fähigkeiten beherrscht, der auf unendliche Weise in der Praxis der zehn Vollendungen herausragend war und der aufgrund dieser Errungenschaften bereitsteht, der fünfte Buddha dieses glückbegabten Zeitalters zu werden.
Derjenige, welcher diese Lehren des Uttaratantra-Shastra in der Weil der Menschen verbreitete, war der Meister der Gelehrsamkeit Asanga. Er wurde als der Sohn der früheren Nonne Salwe Tsültrim geboren, die in der hochstehenden und altruistischen Motivation, dem Dharma zu nützen, in Zeiten eines ernsten Niedergangs der Lehren des Buddha ihre Roben aufgab, heiratete und zwei Söhne gebar, für die sie betete, sie möchten große Meister werden. Den Wünschen seiner Mutter entsprechend studierte Asanga zunächst die Lehren des Großen Fahrzeugs über „Manifestes Wissen”. Er fand diese jedoch unglaublich schwierig und wandte sich allmählich der Praxis der Meditation über die Gottheit Maitreya zu. Asanga begab sich in Klausur und setzte diese Praxis über zwölf Jahre hinweg fort, während derer er wieder und wieder großen Schwierigkeiten begegnete, wie es an anderer Stelle ausführlich berichtet wird. Danach jedoch erschien ihm Maitreya, akzeptierte ihn als seinen Schüler und nahm ihn mit sich in den reinen Bereich von Tushita. Asanga blieb dort zu Maitreyas Füßen für fünfzig menschliche Jahre und empfing viele Belehrungen, insbesondere diejenigen, die heute als Maitreyas „Fünf Unterweisungen” bekannt sind. Diese hbrachte er zurück in die Welt der Menschen, schrieb sie nieder, verbreitete sie weithin und brachte sie dadurch zum Blühen. Er selbst schrieb einen Kommentar zum Uttaratantra-Shastra und wurde, wie der Buddha im Wurzeltantra des Manjushri (Tib. ‘jam tlpal rtsa rgyud) vorhergesagt hat, einer der herausragendsten Vertreter der Lehren des Großen Fahrzeugs. Mit Blick auf seine wunderbaren Taten empfinden alle wahren Gelehrten und Meditationsmeister Indiens und Tibets größte Hingabe an Asanga und heben ihn respektvoll auf den Scheitel ihres Kopfes.

4.
Es gibt viele Kommentare zum Uttaratantra-Shastra, die sowohl in Indien als auch in Tibet im Licht der „Selbst-leer (Rangtong) lind Leer von anderem” (Shäntong) Perspektiven der philosophischen Tradition des Mittleren Weges (Madhyamaka) verfasst wurden. Besonders herausragend ist der von Jamgön Kongtrül Lodrö Thaye geschriebene Kommentar. Er war und ist ein heiliges Wesen, das der Buddha in vielen Sutras und Tantras prophezeit hat. Seine Weisheit und Verwirklichung waren so beschaffen, dass er jeden Aspekt der Philosophien und Kernunterweisungen der acht Praxis-Linien kannte und in sich vereinigte. Sein Kommentar trägt den Titel: ,,Das unerschütterliche Gerüll des Löwen”.

5.
In der unvergleichlichen Tradition der Dhagpo-Kagyü gibt es drei Linien von Belehrung über das Große Siegel oder die Mahamudra. Diese sind Sutra, Tantra und innerste Essenz. Sutra­Mahamudra ist der Name, den der unvergleichliche Dhagpo Rinpochc, Gampopa, der Sichtweise verlieh, wie sie im Uttaratantra-Shastra zum Ausdruck kommt. Er tat dies, um die Herzen derjenigen zu trösten, die Mahamudra-Unterweisungen erhalten wollten, aber nicht fähig waren, die hinter ihnen liegende Bedeutung völlig zu verstehen. Er präsentierte die Sutra-Mahamudra als ein Mittel, um diese Schüler zu einem Verständnis ihrer zwei weitergehenden Aspekte zu führen.
In ähnlicher Weise präsentiert der Ehrwürdige Jamgon Lodrö Thaye das Uttaratantra-Shastra als einen Hintergrund und Zusammenhang für die Mahamudra-Lehren. Er erklärt sie im Licht der „Leer von anderem”-Schule und macht ihre Sichtweise recht leicht verständlich. Durch seine Aktivität hat er allen Praktizierenden der Mahamudra größtmöglichen Nutzen gebracht. Insbesondere heutzutage, wo Zentren des Studiums und der Praxis der Lehren der Kagyü-Linie sich in alle Teile der Welt ver­breitet haben, werden seine Unterweisungen gleichermaßen bedeutend. Um die Praktizierenden in allen diesen Zentren weltweit zu unterstützen, wurde Lodrö Thaye Rinpoches Kom­mentar ins Englische (und sodann ins Deutsche) übersetzt und hier gedruckt.

Auf Ersuchen von Khenpo Tsültrim Gyamtso Rinpoche ge­schrieben von Drupön Khenpo Acharya Lodrö Namgyal, in Pullahari Mahamudra Retreat Centre, Kathmandu, Nepal.