Sanskrit – Die heilige Sprache

Bei der Ngöndro-Praxis und in Sadhanas (Praxistexte, die Gebete und Meditationsanleitungen enthalten) üben wir uns in der Reinigung der Sprache mit einem Mantra, das die Laute des Sanskrit-Alphabets enthält. Obwohl die Sadhana-Texte in der tibetischen Sprache verfasst wurden, blieb das Sanskrit-Alphabet in der tibetischen Tradition erhalten. Ebenso werden auch die Mantras weiterhin in Sanskrit rezitiert und die Namen der Objekte der Visualisierung werden oft in Sanskrit und Tibetisch angegeben.

Sanskrit ist eine der ältesten Sprachen der Welt, die heute noch gesprochen wird. Sanskrit wird auch als saṃskṛtā bhāṣā, die heilige (saṃskṛtā) Sprache (Bhasha), bezeichnet und Indologen sagen, dass dies die älteste und ursprünglichste der (nord)indischen Sprachen ist.

Sanskrit oder auf Sanskrit gesagt, ‚Sanskrita‘ heißt wörtlich ‚gebildet‘, ‚fein‘und ‚verfeinert‘. Es ist eine sehr feine Sprache mit vielen Bedeutungsnuancen. Wenn man Texte in der Ursprache verstehen kann, merkt man, wie viele verschiedene Bedeutungen vorhanden sind. Sanskrit kann zwar übersetzt werden, dennoch entsteht, wenn man Texte in der Originalsprache rezitiert, eine andere Kraft. Sanskrit ist die Sprache der Veden, die Sprache des Yoga, die Sprache der heiligen indischen Schriften. Es ist auch die Sprache der Mantras und die Kraft eines Klanges.

Im indischen Kulturkreis hat Sanskrit eine ähnliche Bedeutung wie die lateinische und griechische Sprache für Europa. Eine Vielzahl von Texten aus Religion, Philosophie und Wissenschaft sind in Sanskrit geschrieben. Vor allem im Hinduismus hat Sanskrit als Sprache der Brahmanen große Bedeutung. Sanskrit gilt als heilige Sprache, in der wichtige Texte wie die Upanishaden, die Veden, die Bhagavad Gita und auch das Shrimad Bhagavatam verfasst wurden. Sanskrit, das vor allem für Rituale benutzt wurde, blieb jedoch lange eine ausschließlich mündliche Sprache.

Der Begriff Sanskrit wurde nicht als spezifische Sprache gesehen, sondern als eine besonders reine und perfektionierte Art des Sprechens. Kenntnisse des Sanskrit waren ein Indiz für den sozialen Status und Bildungsgrad im antiken Indien, da die Sprache hauptsächlich den Angehörigen der höheren Kastengelehrt wurde. Demzufolge existierte Sanskrit als die erworbene Sprache des Alten Indiens neben dem Prakrit (mundartlich), auch ‚mittelindische Sprachen‘ genannt, und schließlich neben den zeitgenössischen indoarischen Sprachen.

Indoarische Sprachen wie das Sanskrit weisen Ähnlichkeiten bei den Wortstämmen, der Phonetik und der Grammatik zu den indogermanischen Sprachen auf. Ein Beispiel dafürist das lateinische Wort‚deus‘, (Gott), verwandt mitdem Sanskritwort ‚deva‘(Gott). Fast alle Mantras und viele wertvolle Schriften über hinduistische Traditionen und yogische Praxis sind in Sanskrit verfasst.

Auch, wenn wir diese Sprache nicht studieren wollen, ist es sehr hilfreich, sich mit dem Alphabet und Grundlagen der Aussprache bekannt zu machen und etwas über ihre Bedeutung zu erfahren. Daher haben wir eine erfahrende Sanskrit-Expertin eingeladen, uns einen Zugang zu diesem Teil unserer Meditationspraxis zu vermitteln, sodass wir die Verwendung der Mantras und Namen besser verstehen (und aussprechen) können.

Auch auf dem Gebetsrad, das sich im Garten unseres Zentrums dreht, sind außen die Silben des Mantra von Avalokiteshvara OM MANI PADME HUNG auf Sanskrit viele Male geschrieben (siehe Titelbild des Rundbriefes).

Das Sanskrit-Seminar mit Vajramala findet am 17./18. November statt.